Verkehrsunfall mit Linksabbieger: Ausnahmsweise haftet entgegenkommender Fahrer bei Unfall in voller Höhe

Bei einem Unfall zwischen einem von der Vorfahrtstraße nach links abbiegenden Autofahrer und einem entgegenkommenden Kraftfahrzeug kann trotz Vorfahrt die vollständige Haftung dem entgegenkommenden Fahrer auferlegt werden. Dies ist der Fall, wenn er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 48 km/h vorsätzlich überschreitet und außerdem grob fahrlässig unter Alkoholeinfluss mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,89 Promille fährt.

Mit dieser Begründung wies das Oberlandesgericht (OLG) Celle den Schadenersatzanspruch eines Fahrzeugführers zurück, der mit einem entgegenkommenden Linksabbieger zusammengestoßen war, der ihm die Vorfahrt genommen hatte. Das OLG war der Ansicht, dass dem Fahrer ein so grobes Verschulden vorzuwerfen war, dass er den gesamten Schaden allein tragen musste. Dabei machte das OLG deutlich, dass das allenfalls geringfügige Verschulden des Linksabbiegers hinter dem groben Verkehrsverstoß der erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitung und Alkoholisierung zurücktreten musste. Die Vorfahrtsverletzung des Linksabbiegers war nicht zu berücksichtigen. Im vorliegenden Fall hätte der entgegenkommende Fahrer den Unfall vermeiden können, wenn er auf den Abbiegevorgang des Linksabbiegers rechtzeitig mit dem Wegnehmen von Gas oder einem leichten Abbremsen reagiert hätte. Wenn er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km eingehalten hätte, wäre der Unfall erst recht unterblieben (OLG Celle, 14 U 313/01).

Rechtsanwalt Dieter Ferner

Rechtsanwalt Dieter Ferner ist Fachanwalt für Strafrecht und bevorzugt in der Strafverteidigung, bei Ordnungswidrigkeiten, im Verkehrsrecht & Fahrerlaubnisrecht sowie bei Scheidungen tätig.

Notruf wenn Sie Anklage, Strafbefehl, Kündigung, Bußgeldbescheid erhalten haben – und bei Vernehmung, Haft, Durchsuchung, Beschlagnahme Führerschein: 02404-95998727 – (Mo-So verfügbar)