Köhler – BGB AT

Ich bin eher zufällig bei eBay über eine ältere Ausgabe vom Köhler gestolpert und fand ihn auch gut, der Beck-Verlag hat mir netterweise eine aktuelle zugeschickt. Und ich muss feststellen: Ein überzeugendes Buch.

Ein gutes Buch zum BGB AT erkennt man auf den ersten Blick: Es ist nicht zu dick und konzentriert sich auf das, was es für die meisten Studenten nunmal ist – der Start in das Zivilrecht überhaupt. Gefragt sind da nicht nur verständliche Ausführungen, sondern klare Darstellung und weniger Rechtstheorie. Ein Buch zum BGB AT etwa, dass den Leser mit Fundstellen erschlägt, ist in der Hausarbeit sicherlich praktisch – bis man die schreibt, muss man aber erstmal verstehen worum es geht; und ist dankbar für klare und kurze Sätze.

Darauf lässt sich das Geheimnis des Erfolges des Brox/Walker komprimieren – und der Köhler schlägt erfolgreich in diese Kerbe. Das merkt man schnell, etwa wenn man in das Literaturverzeichnis blickt: Ganze 17 Werke sind da zu finden. Das spricht für eine stringente Auswahl und auch dafür, dass der Autor eben nicht versuchen wird, sich in Theorien zu verlieren. Wer das erwartet, wird nicht enttäuscht.

Der Autor investiert nur wenige Seiten in die obligatorische Einleitung und konzentriert sich stattdessen auf die wichtigen Themen. Dabei weiss er nicht nur Schwerpunkte zu setzen, sondern fasst sich auch in den Kapiteln selbst kurz – ohne auf eine klare Sprache zu verzichten, keinesfalls sind die Ausführungen “zu kurz”. Das längste Kapitel ist bspw. das zur Stellvertretung, mit gut 30 Seiten. Bei insgesamt 286 Seiten zum Thema BGB AT merkt man, dass da ein wirklich schneller Einstieg geboten wird.

Auf Fußnoten wird verzichtet, was den Leser das Werk noch leichter erarbeiten lässt – dennoch gibt es Fundstellen: Ausgewählte, im Text, konzentriert je nach Kontext. Der Fokus liegt hier eindeutig auf der Wissensvermittlung, was auch ausgezeichnet gelingt.

Die Definitionen sind hervorgehoben und gerade Anfänger werden dafür dankbar sein – was mir ein wenig fehlte waren optische Hilfsmittel. Das nicht am Fall gearbeitet wird ist nicht schlimm und auch normal bei Büchern zum BGB-AT, dafür bietet der Autor aber viele Beispiele, die immer wieder das Verständnis erleichtern. Dennoch wäre das ein oder andere Aufbauschema noch schön, etwa wenn es um kompliziertere Prüfungen im Bereich Stellvertretungsrecht geht.

Sehr schön ist das letzte Kapitel zur Fallbearbeitung, in dem wichtige Fallstricke erklärt und aufbereitet werden. Ein wenig überrascht war ich von dem Musterfall am Ende: Schön ist auf jeden Fall die Idee, einen solchen Fall zu präsentieren. Inhaltlich aber ist er etwas zu anspruchsvoll für Anfänger: Der §1004 bzw. §858 ist zu hoch gegriffen – dann lieber zwei Fälle, einmal zum Minderjährigenrecht und zur Stellvertretung, die wesentlich einfacher sind. Gerade Anfänger, die in erster Linie Aufbaufragen lernen, werden hier dankbar sein.

Eignet sich das Buch zur Wiederholung: Kurz und knapp ja.

Die Jurakopf-Einschätzung

Ein ausgezeichnetes Buch, das die Bezeichnung Standardwerk im bereich der Einstiegsliteratur durchaus verdient hat. Durch die klare Struktur ist es problemlos zur vorlesungsbegleitenden Nacharbeit geeignet.

Nach all den Jahren als “Brox-Fan” und einer längeren Umgewöhnungsphase muss ich feststellen, dass ich (kurz vor dem Examen) nun umschwenke: Ich empfehle den Köhler, der mir einen kleinen Tick besser gefällt als der Brox, vor allem wegen der klaren Sprache und Struktur.

Daten zum Buch

Helmut Köhler
32. Auflage
C. H. Beck
ISBN 978-3-406-57782-6
18,90 EURO

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