Lizenzanalogie im Urheberrecht: Zur Berechnung von Schadensersatz

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Regelmäßig bei Urheberrechtsverstößen möchte jemand Schadensersatz und diesen an Hand der so genannten Lizenzanalogie berechnen (dazu hier Erläuterungen von mir). Im Alltag begegnen mir dabei häufig Laien aber auch Rechtsanwälte, die offensichtlich Details der Lizenzanalogie nicht kennen. Vielmehr verwechselt man die Berechnung des Schadensersatzes gerne schnell mit der schematischen Anwendung irgendwelcher Vergütungsrichtlinien. Das funktioniert so aber nicht, im Folgenden einige Ausführungen zur Lizenzanalogie im Urheberrecht.

 

Die Lizenzanalogie im Urheberrecht

Auch wenn die schematische Anwendung von Vergütungsrichtlinien besonders einfach und auch für den Verletzten schnell sehr attraktiv ist, verkennt diese Vorgehensweise, dass der Lizenzanalogie der Gedanke zu Grunde liegt, dass ein fiktiver Vertrag zu Grunde zu legen ist, der sich daran orientiert, was ein objektiver Lizenzgeber mit einem objektiven Lizenznehmer für diesen Fall vereinbart hätten (ständige Rechtsprechung des BGH, dazu I ZR 6/06, I ZR 59/88 und I ZR 106/73). Dabei ist nicht zu vergessen, dass auch das Interesse des Verletzers bei dieser rein objektiven Betrachtung zu berücksichtigen ist, jedenfalls mittelbar bei der Frage, was ein objektiver Dritter vereinbaren würde. Letztliche Maßgabe ist immer der objektive Wert (BGH, I ZR 6/06).

Das Landgericht Köln (14 O 88/14) führt dazu zusammenfassend aus:

Die häufig herangezogenen Vergütungstabellen sind insofern Orientierungswerte, die nicht darüber hinweg helfen, im Einzelfall zu prüfen, was vereinbart worden wäre. Dabei ist das damit befasste Gericht in seiner Beweiswürdigung frei und schätzt die Höhe der Vergütung nach §287 ZPO (BGH, I ZR 132/60; Münchener Anwaltshandbuch, Medien- und Urheberrecht, §34, Rn.102). Hier ist dann auch immer das Risiko für beide Seiten, dass der Richter von der eigenen Vorstellung erheblich abweicht – und man auf Verfahrenskosten „sitzen bleibt“. Zu Berücksichtigen ist am Ende die konkrete Form der Verwendung, Häufigkeit, Art der verwendeten Medien und das wirtschaftliche Interesse der Beteiligten (BGH, I ZR 132/60). Gerade letzteres, der unmittelbar erzielte geldwerte Vorteil, ist ein besonders heran zu ziehendes Kriterium und kann dazu führen, dass bei geringem finanziellen Vorteil die Zahlung erheblich sinkt (BGH, I ZR 125/10).

Fazit zur Lizenzanalogie im Urheberrecht

Im Ergebnis möchte ich Zusammenfassen: Einfach irgendwelche fantasievollen Zahlen aus Vergütungstabellen zusammen zu rechnen ist keine Berechnung an Hand der Lizenzanalogie. Nebenbei bedürfte es hierfür weder einschlägiger Erfahrung noch einer juristischen Ausbildung, wenn es so einfach wäre. Gerade abmahnende Rechtsanwälte sind hier gut beraten, sich abzusichern und nicht – den eigenen Mandanten sicherlich beeindruckende – Fantasiezahlen zu fordern: Das böse Erwachen droht schnell.

Dazu auch bei uns:

Hinweis: Rechtsanwalt Jens Ferner ist im Bereich des Urheberrechts und auch im Bereich des „Bilderklaus“ aktiv. Er vertritt eine Vielzahl von Urhebern und bearbeitet im „Lexikon IT-Recht“ den Beitrag „Bilderklau im Internet“, den Sie auch hier (in Teilen) nachlesen können: Channelpartner – Bilderklau im Internet – Was ist zu tun?

Rechtsanwalt Jens Ferner

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