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Verkehrsunfall

Indizien für einen fingierten Verkehrsunfall

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf: 02404 92100

Wenn der Haftpflichtversicherer im Unfallprozess vorbringt, ein Verkehrsunfall sei gestellt, so trägt er die volle Beweislast dafür, dass der Unfall auf einer mit der Einwilligung zur Beschädigung verbundenen Absprache der Beteiligten beruht. Um die gerichtliche Überzeugung hierfür dann zugewinnen erwartet die Rechtsprechung „keine mathematisch lückenlose Gewissheit“, sondern vielmehr genügt ein „für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der verbleibenden Zweifeln Schweigen gebietet, ohne sie völlig auszuschließen“.

Hier behilft man sich dann mit Beweisanzeichen, Indizien, die nicht sämtlich auftreten müssen, aber in einer Mehrheit mit unterschiedlicher Gewichtung für eine Manipulation sprechen können. Das LG Offenburg (2 O 193/19) hat hierzu einen beispielhaften Katalog an Hand eines konkreten Falles aufgestellt:

  • der Kläger rechnet auf fiktiver Gutachtenbasis ab
  • es handelt sich um einen leicht stellbaren mit nur geringem Verletzungsrisiko für alle Beteiligten
  • der Unfall passierte zur Nachtzeit auf einer zu dieser Uhrzeit gerichtsbekannt wenig befahrenen Straße
  • es soll ein ungewöhnlicher Fahrfehler passiert sein
  • der andere Unfallbeteiligte war sichtlich irritiert als er gefragt wurde, was er überhaupt in diesem Ort am Unfalltag gemacht habe.
  • detailarme Aussage weiterer Zeugin
  • Unfallbeteiligte sind Ausländer gleicher Nationalität
  • ein Unfallbeteiligter ist trotz Anordnung des persönlichen Erscheinens weder zur ersten mündlichen Verhandlung noch zum Fortsetzungstermin erschienen
  • bei dem beschädigten Fahrzeug des Klägers handelt es sich um ein solches der Oberklasse
  • die Eigentumslage am Pkw des Klägers konnte erst im Laufe des Gerichtsverfahrens geklärt werden
  • eine Nachbesichtigung des Pkw wurde vom Kläger vorgerichtlich nicht ermöglicht
  • der Kläger will einen überaus lukrativen Schaden erlitten haben
  • der Kläger will den Pkw für mehr Geld repariert haben lassen als er eingeklagte. Nachweise legte er trotz zweifacher Aufforderung nicht vor. Den angeblichen Reparaturbetrag konnte er nicht einmal mehr schätzen
  • Pkw-fahrende Zeugin im Kollisionszeitpunkt, ist als Fahrzeugaufbereiterin und damit in der Kfz-Branche tätig
  • Seinen „Fahrfehler“ hat der Beklagte gegenüber der Polizei sofort zugegeben. Resultat ist an sich eine einfache Haftungslage
  • ausweislich des mündlichen Sachverständigengutachtens passen die Schäden am klägerischen Pkw nicht zum klägerseits behaupteten Unfallhergang, was erst aufgrund der vom Gericht beim Privatsachverständigen angeforderten Lichtbilder ersichtlich gewesen sei.
  • Der Pkw hatte folglich erhebliche Vorschäden, die vom Kläger bis zuletzt geleugnet wurden
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Von Rechtsanwalt Dieter Ferner

Rechtsanwalt Dieter Ferner ist Fachanwalt für Strafrecht und Anwalt in der Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf. Unsere Rechtsanwälte sind spezialisiert auf Strafrecht und IT-Recht und zudem tätig im Verkehrsrecht, Arbeitsrecht sowie im gewerblichen Rechtsschutz. Termin vereinbaren: 02404 92100. Wir bieten einen Telegram Kanal sowie ein LinkedIN-Profil.

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