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Betäubungsmittelstrafrecht

Heroin als Streckmittel in Cannabis?

Es geistert aktuell die Meldung durch die Presse, es würde sich Heroin als Streckmittel in Cannabis finden, wodurch eine (direkte) unbemerkte Abhängigkeit von Heroin entstehen könnte.

Um es vorwegzunehmen: Die Aussage ist schlicht Quatsch. Unsere Kanzlei kann dabei einen unmittelbaren Eindruck bieten, wir haben um die 100 BTM-Konsumenten, die wir jährlich vertreten, hinzu kommen „Dealer“, von den Läufern vor Ort bis zur mittleren Ebene – eine solche Story oder gar ein tatsächliches Erlebnis des Streckens von Cannabis mit Heroin ist uns noch nie untergekommen.

Gibt es eine heimliche Heroin-Vergabe?

Ja, die gibt es: Immer wieder begegnen wir Menschen, die in jungen Jahren durch ihr Umfeld – unwissentlich – zum Rauchen von Heroin gekommen sind. Das sind nicht viele, allerhöchstens eine Handvoll im Jahr, aber es gibt sie. Da wurde dann auf einer Party mit den Worten „hier probier mal“ etwas herübergereicht und etwa von einer Folie ausgehend inhaliert oder aus eine Pfeife gezogen; diese Fälle sind aber außergewöhnlich in meinem Umfeld und in der Tat geht der Großteil der Menschen, mit denen ich Berührung habe den klassischen Weg, dass man sich schrittweise durch die Drogen nach oben arbeitet.

Auch das ist wichtig, wenn man über Erfahrungen berichtet: Drogenkonsum in Form und Umfang ist extrem individualisiert. Menschen aus Süddeutschland berichten mir etwa, dass das Rauchen von Kokain/Heroin-Gemischen über Pfeife in NRW viel verbreiteter ist als etwa im südlichen Bayern. Es wird schon ein Fehler sein, seine eigenen Erfahrungen verallgemeinern zu wollen, gleich wie umfangreich sie (vermeintlich) sind!

Wird Cannabis gestreckt?

Ja, auch hier kommt es aber wohl auf die Region an: In unserer (grenznahen) Region erlebe ich dies sporadisch, der Regelfall ist es in meinem Erfahrungsschatz auf keinen Fall. Aus anderen Regionen Deutschlands, vor allem je weiter östlich und südlich, berichten Mandanten, dass bei Straßenkäufen offenkundig irgendwas beigemischt ist. Das kann einfacher Dreck zum Strecken sein (Holzspäne scheinen gerne genutzt zu werden, ist eben eklig beim Rauchen), kann aber auch etwas psychotropes sein, sodass von ungewöhnlichen Angstzuständen und Herzrasen berichtet wird. Aber …

Kein Heroin in Cannabis als Streckmittel

Ich habe davon noch nie gehört, es noch nie gesehen und ich bin sofort dabei, wenn die Tagesschau berichtet, dass kein einziger Ermittler gefunden werden kann, der davon aus nur gehört hat. Um es mit den Worten eines Mandanten von mir zu sagen:

„Wie bescheuert wäre ich denn, das günstigere Zeug mit dem teureren zu strecken – die haben nicht begriffen, welchen Sinn das Strecken hat!“

Und in der Tat zeigt ja schon die Statistik, dass Heroin zumindest mit dem dreifachen des durchschnittlichen Straßenpreises von Cannabis angesetzt werden kann.

Problemfall Cannabis

Cannabis hat genug eigene Sorgen: die zunehmende Steigerung des Wirkstoffgehalts, die unterschätzte Gefahr der Verursachung von Psychosen, der lethargische Effekt auf Dauerkonsumenten – man muss keinen Versatz mit Heroin erfinden, um pro oder contra einer Legalisierung zu argumentieren. Urbane Legenden zu fördern, indem man schlicht Unsinn spricht und Angst vor unbemerkten Heroin-Abhängigkeiten dürfte letztlich nur unnützen Schaden verursachen.

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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT-Recht & Strafverteidiger)

Unsere Rechtsanwälte sind spezialisiert auf Strafverteidigung im gesamten Strafrecht sowie Beratung von Unternehmen im IT-Recht. Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht, im Strafrecht spezialisiert auf Cybercrime, Wirtschaftsstrafrecht und BtMG sowie im IT-Recht auf Softwarerecht, Datenschutzrecht und IT-Sicherheitsrecht.

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