Gottwald: Examens-Repetitorium BGB-AT

Viele Bücher hier bespreche ich “ex ante”: Da ich nun mal im Examen stehe und meine Scheine habe, kann ich schwerlich schreiben, wie man das betreffende Rechtsgebiet aktiv mit dem Buch erlernt – ich kann es aber sehr wohl einschätzen.

Anders ist das aber natürlich beim “Examens-Büchern”, von denen ich mir zur Zeit auch sehr viele anschaffe. Hier muss sich ein Buch an meinen aktiven (persönlichen) Erwartungen messen lassen – der Gottwald hat es leider nicht geschafft. Auch wenn das Konzept wirklich überzeugend war, so fehlte mir zum Ende hin dann doch etwas.

Hinweis: Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zugestellt

Zuerst zum Konzept: Der Autor setzt (natürlich) das Wissen zum BGB at vorraus. Er führt also nicht mehr in das Thema ein, sondern will wiederholen und vertiefen. Dazu setzt er auf einen gegliederten Fallaufbau, das heisst:

  1. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis lässt das Buch wie ein BGB-AT Lernbuch erscheinen: man sieht die bekannte Strukturierung der wichtigen Themen des BGB AT
  2. Wenn man dann die Kapitel durcharbeitet, wird immer nur ein sehr kurzer Absatz mit Inhalten geliefert, danach gibt es einen kurzen Fall der sodann gelöst wird.

Die Idee ist soweit gut, aber am Ende, wenn man es durchgearbeitet hat, bleibt die Frage, ob es nicht doch nur ein Klausurenkurs ist. Der aber dann mitunter sehr kurze Klausuren bietet, besonders da es (aufgrund der Gliederung) ja immer nur um Einzelfragen geht.

Auch gibt es hin und wieder Anmerkungen, die aber ebenfalls sehr kurz sind – dabei fehlten mir vor allem ausdrückliche Hinweise auf die aktuelle Rechtsprechung. Nicht weil man die “auswendig können muss”, sondern weil ich solche Hinweise nutze, um die Argumentation der Rechtsprechung zu verstehen und insbesondere auch nochmal zu vertiefen.

Ich möchte es aber nicht nur kritisieren: Die Darstellung ist inhaltlich gelungen, der Text ist flüssig durchzuarbeiten, die Lösungen zu den Fällen sind verständlich und gut aufbereitet.

Es verbleibt bei mir die Frage, ob diese stark konzentrierte Arbeit an der Einzelfrage wirklich geeignet ist, sich auf unbekannte Fragestellungen vorzubereiten. Einerseits liegt es nahe, dass man durch die Einzelfrage gezwungen ist den konkreten Fall zu “sezieren”, andererseits ist gerade bei Jurastudenten das Problem, das man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht (also vor lauter Einzelfallproblemen die konkrete Fallgestaltung übersieht), das große Problem in Klausuren.

Die Jurakopf-Einschätzung

Für mich ist es eine grenzwertige Geschichte, ich hoffe durch obige Darstellung klar gemacht zu haben warum. Ich möchte es aber nicht verallgemeinern und rufe dazu auf, sich das Buch selber anzusehen und zu prüfen, ob man es vielleicht anders wertet – dann ist ein Kommentar hier übrigens auch gerne gesehen.
Ich habe übrigens ein wenig den Eindruck, dass sich in der Zwischenprüfung (sofern dort eine BGB-AT-Klausur geschrieben wird) das Buch bezahlt machen kann, auch wenn “Examen” darauf steht.

Daten zum Buch

Peter Gottwald
Examens-Repetitorium BGB AT
2. Auflage
Verlag C.F.Müller
Preis: 18,50 EURO
ISBN 9783811481114

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Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.

   

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