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Verkehrsstrafrecht

Fahrerflucht ohne Zeugen

Einer der Klassiker nach einer Fahrerflucht ist die Überzeugung, dass es eine Fahrerflucht ohne Zeugen war – man ist sich ganz sicher, dass niemand etwas gesehen hat. Wenn man dann aber Abends zu Hause sitzt, merkt man, wie Gewissen und zunehmende Panik einen befallen, denn ob es eine Fahrerflucht ohne Zeugen war, weiß man immer erst hinterher.

Tatsächlich sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie sich auch ganz sicher sind, es ist bei uns schon quasi der Regelfall, dass jemand glaubt, dass doch niemand vor Ort war und somit auch gar keine Zeugen vorhanden sind.

Infos zur Fahrerflucht

Machen Sie es sich nicht unnötig schwer – wenn Sie eine Fahrerflucht begangen gaben, steht grundsätzlich Ihre Fahrerlaubnis auf dem Spiel. Wir bieten Ihnen hier viele frei verfügbare Informationen und einen Notruf, geizen Sie nicht an der falschen Stelle und fragen Sie einen Profi.

Fahrerflucht ohne Zeugen?

Das Problem ist Ihre eigene Wahrnehmung: In der Schocksekunde haben Sie einen sprichwörtlichen Tunnelblick, nehmen vielleicht die Straßen um Sie herum wahr – aber ob jemand oberhalb von Ihnen in einem Fenster lag, ob irgendwo eine oder sonstige Überwachungskamera lief, wissen Sie nicht. Sie haben keinen 360 Grad rundum Blick, sondern nur Ihre eigene, sehr beschränkte, Wahrnehmung, die auch noch von der Hoffnung, dass alles gut gehen wird, getrübt ist.

Regelmäßig sind es die überraschenden Zeugen, die man nicht wahrgenommen hat, die besonders schlimm werden – wenn man diese Zeugen nicht wahrgenommen hat, waren sie in einem logischen Rückschluss nicht unmittelbar vor Ort, also irgendwie etwas entfernter. Wenn diese dann aber den Unfall wahrgenommen haben, wird immer der Rückschluss der Ermittler gezogen, dass Sie auf jeden Fall etwas bemerkt haben müssen. Die Verteidigungsstrategie „ich habe nichts bemerkt“, an die man sich als unerfahrener Laie klammern will, funktioniert gerade in diesen Fällen besonders schlecht.

Wenn Sie schon jetzt sich selber immer wieder sagen „Die sollen mir erst mal nachweisen, dass ich was gemerkt habe“ zeigen Sie damit nur, dass Sie keine Ahnung haben, wie Strafverfahren funktionieren.

Fachanwalt für Strafrecht Jens Ferner

Verteidigungsstrategie

Ein Profi kann in diesen Situationen der vermeintlichen Fahrerflucht ohne Zeugen Einschätzungen vornehmen, etwa aufgrund Ihrer eigenen Wahrnehmungen einschätzen, wie realistisch von einem bedeutenden Schaden auszugehen ist, sodass man im nächsten Schritt beurteilen kann, ob man noch von der 24-Stunden-Regel Gebrauch machen sollte (auch wenn diese nicht straflos stellt, siehe §142 Abs.4 StGB). Sie werden als Beteiligter ebenso wie Sie Laie sind, dabei gar nicht realistisch einschätzen können, wie hoch der Schaden auf dem Papier ist – wer einer Fahrerflucht verdächtigt wird, neigt immer dazu, diesen Schaden sich selbst ständig kleinzureden und dann hinterher aus allen Wolken zu fallen.

Wie eine sinnvolle Strategie bei einer vermeintlichen Fahrerflucht ohne Zeugen aussieht muss im Einzelfall entschieden werden; insbesondere kann es sinnvoll sein, dass man „gebrieft“ wird, erst selber einige Schritte unternimmt und sich der Strafverteidiger erst später bestellt. Es kommt halt darauf an, das Risiko, dass zumindest vorläufig die Fahrerlaubnis entzogen wird, steht bei einer Fahrerflucht ohne Zeugen jedenfalls immer im Raum – und mit herumgestümpere macht man es nur schlimmer.

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