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Testierunfähigkeit bei Alkoholerkrankung mit Tablettenmissbrauch


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Testierunfähigkeit: Bestehen Zweifel wegen Alkohol- und Tablettenmissbrauch an der Testierfähigkeit des Erblassers, muss ein Gericht der Frage nachgehen, ob in nahem zeitlichen Zusammenhang mit der Abfassung des Testaments deshalb eine ärztliche Behandlung stattgefunden hat. Zur Prüfung der Testierfähigkeit des Erblassers können so Rückschlüsse auf dessen Zustand gezogen werden.

Diese Entscheidung wirkte sich in folgendem Fall aus: Der Erblasser litt unter einer langjährigen schweren Alkoholkrankheit mit Tablettensucht. Er wurde wiederholt in verschiedenen Kliniken behandelt. Wenige Monate vor seinem Tod verfasste der Erblasser an einem Tag zwei unterschiedliche, sich widersprechende Testamente.

Das Bayerische Oberste Landesgericht (BayOblG) hat im Streit der Erben um die Wirksamkeit der Testamente klargestellt, dass die Alkoholsucht für sich noch keine krankhafte Störung der Geistestätigkeit ist, die automatisch zu einer Testierunfähigkeit führt. Vielmehr muss in jedem Einzelfall geklärt werden, in welchem Zustand sich der Erblasser bei Abfassung des Testaments befand. Auf diesen Zustand kann auf Grund äußerer Umstände zurückgeschlossen werden. So ist insbesondere zu beachten, in welchem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Abfassung der Testamente eine ärztliche Behandlung des Erblassers wegen seiner Alkohol- und Tablettenvergiftung stattgefunden hat. Je enger der zeitliche Zusammenhang ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Erblasser zum Zeitpunkt der Testamentsabfassung testierunfähig war (BayOblG, 1Z BR 61/02).

Rechtsanwalt Dieter Ferner
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