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Einführung in das italienische Recht

Sehr praktisch: Mir liegt ein Buch vor, dass ich rezensieren soll und ich auch wirklich selber benötige – jedenfalls bei mir ist es Examensvorraussetzung, dass man einen Schein in einem Gebiet des ausländischen Rechts erbringt. Sofern ich meine (letzten?) Klausuren vor 2 Wochen bestanden habe, ist dies der letzte Schein der mir fehlt. Man darf insofern also erwarten, dass ich bei einem Buch zu diesem Thema sehr kritisch bin.

Hinweis: Das Buch wurde mir vom Beck-Verlag als Rezensionsexemplar geschickt.

Zuerst mal: Es ist ein sehr dickes Buch, das Peter Kindler hier geschrieben hat. Die JuS-Schriftenreihe finde ich ja insgesamt sehr angenehm in der Hand, das ist auch bei dem Buch letztlich der Fall. Aufgrund der Vielzahl der Seiten ist das Schriftbild aber recht anstrengend: 10er Schrift, mit den von mir aus gutem Grund ständig kritisierten 8er-Schrift Einschüben, und das Ganze bei einfachem Zeilenabstand.

Trotz dieses anstrengenden Schriftbildes arbeitet der Autor, wofür ich ihm dankbar bin, gerne und viel mit Absätzen, so dass sich der Eindruck insgesamt bessert und es kein Problem ist, die 350 Seiten in Ruhe zu lesen und durchzuarbeiten.

Der Autor hält eine Webseite bereit, auf der ich aber leider keine Zusatz-Angebote zum Buch entdeckt habe, ein wenig hatte ich eine kleine Gesetzessammlung gehofft, aber das ist auch nichts, was man wirklich erwarten muss.

Im Buch hatte ich zuerst zwei kleine Enttäuschungen:

  1. Der strafrechtliche Bereich kommt für meinen Geschmack zu kurz. Klar, das Strafrecht ist mein Gebiet und das bürgerliche Recht ist in der Praxis sehr viel wichtiger, die Gewichtung des Autors ist angebracht. Dennoch fehlte es mir nun mal und man sollte es vorher wissen.
  2. Ich hätte bei diesem Thema gerne hin und wieder “Kontrollfragen” gehabt, die nochmal eigene Schwerpunkte setzen und ein regelmäßiges Wiederholen ermöglichen.

Das klingt bis hierhin nicht besonders positiv, doch das Buch ist, trotz der Kritik von mir, sehr gut. Vor allem merkt man, dass der Verfasser nicht einfach ein Buch zu einem Thema geschrieben hat, sondern dass er sein Buch zu seinem Thema geschrieben hat. Der Leser wird insofern mit sehr viel Detailfreude und Sorgfalt belohnt.

Man merkt es schon in der Einleitung, wo Kindler im §2 sehr viel Zeit damit verbringt, zu erklären welche Normen man kennen muss, welche Texte, welche Zeitschriften und Literatur es sonst gibt – und auch dem Internet einen eigenen Bereich widmet.

Die Grundlagen im 2. Teil, die u.a. das Verfassungsrecht, Rechtsquellensystematik und Struktur der Juristen behandeln, sind überraschend ausführlich, dafür dass sie mit 80 Seiten auskommen – noch überraschender ist es, wie schnell man sie durchgearbeitet hat. Spätestens jetzt lernt man den klaren Schreibstil schätzen.

Der Schwerpunkt des Buches ist eindeutig der 3. Teil (Privatrecht) der immerhin 200 Seiten ausmacht, die aber ebenfalls verständlich waren und meine wichtigsten Fragen beantworteten. Was mir fehlte, war ein eigenes Kapitel zu Trennungsprinzip/Abstraktionsprinzip, dass es in Italien ja nicht gibt (wie sonst auch in fast keinem anderen Land der Welt). Jemand wie ich, der mit diesen Prinzipien groß wurde, kann sich eine Rechtsordnung die damit nicht arbeitet, gar nicht praktisch vorstellen – insofern wäre hier etwas mehr an Ausführungen in meinem Sinne gewesen.

Insgesamt ist der 3. Teil aber sehr schön strukturiert, gerade wenn man zu einem bestimmten Gebiet (wie etwa dem Sachenrecht) später etwas nachschlagen möchte, findet man hier sofort den gewollten Bereich.

Der 4. Teil (Staatsangehörigkeitsrecht, Fremdenrecht, internationales Privat- und Verfahrensrecht) war für mich weniger spannend, aber nicht minder informativ. Die 40 Seiten habe ich zwar langsamer gelesen als die Seiten davor, auch weil es wegen der Kürze etwas schwieriger war (den Teil zum internationalen Ehevermögensrecht habe ich immer noch nicht ganz verstanden), aber ich denke, hier wird in Klausuren auch kein Schwerpunkt liegen.

Sprachlich ist das Buch durchgehend in deutscher Sprache geschrieben, dabei werden evt. Fachtermini an den passenden Stellen dann erwähnt. Zum Einstieg ist es so ideal verfasst, mir fehlte dann aber z.B. eine tabellarische Übersicht der Fachtermini, etwa als Anhang. Da man zumindest diese ja beherrschen muss wäre so eine Auflistung eine sehr gute Ergänzung für die nächste Auflage.

Die Jurakopf-Einschätzung

Ein schönes Buch, mit leiser Kritik, das jedenfalls mir gleich auf zweierlei Weise geholfen hat: Zum einen war ich mir nicht sicher, welchen Schein ich machen sollte. Nach der (teilweisen) Lektüre eines Buches zur UK-Rechtsterminologie und dem Lesen des hier vorliegenden Buches habe ich mich ganz klar für das italienische Recht entschieden. Weiterhin ist es, auch für jemanden der nie mit anderen Rechtsterminologien in Berührung kam, so gut strukturiert, dass man Unterschiede schnell herausliest und versteht.

Der Preis ist natürlich saftig, doch steht er in Relation zu dem sehr umfassenden Buch. Inhaltlich erscheint es mir nahezu umfassend, wie angemerkt fand ich das Strafrecht vernachlässigt, was mit Blick auf Klausuren aber vertretbar sein wird.

Wer das italienische Recht ohnehin belegen möchte, der wird hier sehr zufrieden sein. Diejenigen, die sich -so wie ich es war- noch unschlüssig sind, sollten sich das Buch ausleihen um damit zu testen, ob sie sich ebenfalls davon in ihrer Wahl des Fachs helfen lassen können.

Daten zum Buch

Peter Kindler
Einführung in das italienische Recht
ISBN 978-3-406-49892-3
Verlag C.H.Beck
Preis: 29,90 Euro

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2 Antworten auf „Einführung in das italienische Recht“

Mir hat sich folgende Frage nach dem Lesen deiner Rezension aufgedrängt: Wie gut führt das Buch in die Rechtsterminologie des Landes (hier Italien) ein? Sind in den Ausführungen auch italienische Begriffe enthalten (und evtl. erklärt) oder enthält das Buch lediglich deutsche Begriffe? Ich frage dies weil der Codice Civile wegen Südtirol meist zweisprachig erhältlich ist- auf Italienisch und auf deutsch. Oder anders gefragt: Ist das Buch im Zweifel auch für jemanden geeignet, der der italienischen Sprache nicht mächtig ist…

Danke für den Hinweis, hieran hatte ich gar nicht gedacht: Kurzum – ja, man muss kein italienisch können. Also jedenfalls ich musste es nicht :) Die Fachbegriffe wurden erwähnt (ich kann natürlich nicht beurteilen in wie weit hier vollständigketi vorliegt, dazu kann ich etwas nach der Klausur in ein paar Monaten schreiben), aber ich selbst beherrsche nur “Brocken” und war mit dem Buch glücklich. Ich werde später einen zusätzlichen Absatz zum Thema aufnehmen, nochmals danke.

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