Definition von Cyberkriminalität

In der Forschungsarbeit „Developing An Analytical Definition Of Cybercrime“ von Ajoy P.B., einem Rechtsanwalt am Hohen Gerichtshof von Kerala, wird ein tiefgreifender Versuch unternommen, Cyberkriminalität analytisch zu definieren und von herkömmlichen Verbrechen abzugrenzen.

Diese Studie bietet eine detaillierte Betrachtung der Merkmale, die Cyberverbrechen kennzeichnen, und legt einen Schwerpunkt auf die angelsächsischen Konzepte (hier: mens rea (schuldhafter Vorsatz) und actus reus (Tatbestand)). Das macht es nur bedingt in unserem Rechtssystem nutzbar, bietet aber gleichwohl einen neuen Blickwinkel und soll daher hier kurz vorgestellt werden.

Die Notwendigkeit einer präzisen Definition von Cyberkriminalität

Ajoy P.B. hebt hervor, dass trotz der wachsenden Nutzung des Internets und der daraus resultierenden Zunahme von Cyberkriminalität, eine präzise und einheitliche Definition dieses Phänomens in der juristischen Literatur fehlt. Er betont, dass eine klare Definition von Cyberkriminalität notwendig ist, um effektive rechtliche und strafrechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Analytischer Ansatz zur Definition

Der Kern dieses analytischen Ansatzes liegt in der Unterscheidung zwischen dem Ort des schuldhaften Vorsatzes (mens rea), der immer außerhalb des Cyberspace liegt, und dem Ort des Tatbestandes (actus reus), der innerhalb des Cyberspace stattfindet.

Es wird dann vorgeschlagen, dass ein Verbrechen nur dann als Cyberkriminalität eingestuft werden sollte, wenn mindestens ein Teil des Tatbestandes im Cyberspace stattfindet und der Tatbestand auch im Cyberspace abgeschlossen wird. Eben dieser Ansatz lässt sich auch in unserem Rechtssystem aufgreifen und zumindest andenken.

Beispielhafte Anwendung des Ansatzes

Um seinen Ansatz zu veranschaulichen, zieht Ajoy P.B. konkrete Beispiele heran, wie etwa Online- und Online-. Im Falle von Online-Betrug wird argumentiert, dass der Betrug dann als Cyberkriminalität gilt, wenn der unrechtmäßige Transfer von Geldern im Cyberspace stattfindet und abgeschlossen wird. Im Gegensatz dazu würde eine Online-Verleumdung, bei der die diffamierenden Äußerungen außerhalb des Cyberspace gelesen und interpretiert werden, nicht als Cyberkriminalität betrachtet.

Schlussfolgerungen und rechtliche Implikationen

Es wird gefolgert, dass eine präzisere Definition von Cyberkriminalität, basierend auf den Konzepten von mens rea und actus reus, entscheidend für die rechtliche Handhabung von Cyberverbrechen ist. Diese Definition könnte die Grundlage für spezielle Cyberkriminalitätsgerichte bilden und helfen, verschiedene Formen von Cyberverbrechen besser zu klassifizieren und zu verstehen.

Fazit

Insgesamt bietet die Forschungsarbeit einen innovativen und tiefgehenden Blick auf die Komplexität von Cyberkriminalität und schlägt einen neuen Rahmen vor, um Cyberverbrechen von traditionellen Verbrechen abzugrenzen. Sie unterstreicht die Bedeutung einer präzisen juristischen Definition von Cyberkriminalität im Zeitalter der Digitalisierung.

Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)

Ich bin Fachanwalt für Strafrecht + Fachanwalt für IT-Recht und widme mich beruflich ganz der Tätigkeit als Strafverteidiger und dem IT-Recht. Vor meinem Leben als Anwalt war ich Softwareentwickler. Ich bin Autor sowohl in einem renommierten StPO-Kommentar als auch in Fachzeitschriften.

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