Abmahnungen von Copyright Watch: Zielgerichtete Abzockmasche?

Aktuell verbreiten sich “Abmahnungen” von I-Londa Copyright Watch aus Tschechien, ich hatte gestern hier berichtet. Dabei fällt eine Tatsache zunehmend ins Auge, während mir mehr und mehr Schreiben zugeschickt werden: Die in den “Abmahnungen” benannten Daten (IP-Adresse/Provider, eingesetztes Betriebssystem, Browser, Datum, besuchte Webseite) stimmen bisher bei den Betroffenen. Die Frage ist insofern: Wie kam man an die Daten?

Ich habe zunehmend den Verdacht, dass hier eine spezielle Masche läuft: Die Daten werden aus den Logfiles der Webseiten geholt, die in den Schreiben erwähnt sind, wo sich die Angeschriebenen vorher – unter Angabe ihrer Daten – registriert haben. Ich persönlich vermute sogar, dass es einen kollusiven Zusammenhang zwischen den Verfassern der Abmahnung und den (anonymen) Webseitenbetreibern gibt. So erscheint mir jedenfalls ein gedachtes Modell, in dem jemand angebliche WareZ-Webseiten betreibt, gleichzeitig aber jedem eine “Abmahnung” schickt, der sich dort (unter Angabe persönlicher Daten) registriert, durchaus lukrativ.

Zu diesen Gedanken passt, dass die im Schreiben genannten Daten der Betroffenen gut zu typischen Logfile-Einträgen passen, während es sonst in Abmahnungen ebenso irrelevant wie untypisch ist, z.B. den eingesetzten Browser-Typus zu benennen. Auch verwundert, dass man unter der Webadresse von I-Londa Copyright Watch, die auf den Anschreiben genannt wird, nur eine leere Webseite ohne Inhalte findet.

Das Thema bleibt interessant.

Rechtsanwalt in Alsdorf & Aachen für Strafrecht und Verkehrsrecht - digitale Technologien, Medien- & Urheberrecht, Verträge und Arbeitsrecht

Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.