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Zivilrecht & ZPO

Begründet das Anzünden von Kerzen eine Schwelbrand-Haftung?

Dass man in einer Wohnung Teelichter anzündet, führt für sich genommen noch nicht zur Haftung für einen späteren Schwelbrand. Erst wenn man die Kerzen unbeaufsichtigt lässt, hat man für den daraus entstehenden Schaden aufzukommen.

Das entschied das Landgericht Coburg in einem jetzt veröffentlichten Urteil. Es wies die Klage einer Brandversicherung auf Zahlung von rund 11.000 € Schadensersatz gegen einen Beklagten ab, der im Wohnzimmer seiner Lebensgefährtin Kerzen angezündet hatte. Denn das allein war kein Grund, ihn für den späteren Wohnungsbrand verantwortlich zu machen.

Sachverhalt

Der Beklagte sorgte mit Teelichtern für ein stimmungsvolles Ambiente im Wohnzimmer der Mietwohnung seiner damaligen Lebensgefährtin. Als die beiden zu späterer Stunde zu Bett gingen, hielten sie die Flämmchen für gelöscht. Doch nur wenige Minuten später vernahmen sie Brandgeräusche und entdeckten einen Schwelbrand im Wohnzimmer. Trotz raschen Eingreifens der alarmierten Feuerwehr entstand ein Sachschaden von 11.000 €, den die Brandversicherung des Mietshauses erstattete und vom Beklagten wiederhaben wollte. Der habe durch das Entzünden der Teelichter eine Brandursache geschaffen.

Gerichtsentscheidung

Das Landgericht Coburg konnte jedoch kein Fehlverhalten des Beklagten erkennen. Zwar hatte ein Brandsachverständiger festgestellt, dass das Feuer durch ein von der Fensterbank hinter die Couch gefallenes Teelicht verursacht wurde. Doch das Anzünden der Kerzen allein stellte nach Auffassung des Gerichts noch kein Gefahr erhöhendes Verhalten dar, das es rechtfertigen würde, den Wohnungsschwelbrand dem Beklagten zuzurechnen. Die brennenden Kerzen waren nicht unbeaufsichtigt. Und ob das Teelicht durch den Beklagten, seine Lebensgefährtin oder deren zeitweise auch anwesende Kinder herabgestoßen wurde, war nicht mehr aufklärbar. Die Versicherung konnte sich daher nicht beim Beklagten schadlos halten.

Fazit

Wer den Kerzenschein liebt, sollte gleichwohl immer daran denken, dass der Funke überspringen könnte.

Landgericht Coburg, Urteil vom 30. April 2008, Az: 13 O 714/07; rechtskräftig

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Von Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht, spezialisiert auf Rechtsfragen im Strafrecht, Cybercrime, Wirtschaftsstrafrecht und IT-Recht. Er punktet zudem als Systementwickler mit zusätzlicher Fortbildung in IT-Sicherheit und IT-Forensik. Im IT-Recht inkl. Softwarerecht, Wettbewerbsrecht & Urheberrecht tätig ausschließlich für Unternehmen und Gewerbetreibende.

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