Lohnsteuer: Chef haftet nicht für Steuern auf Trinkgelder des Arbeitnehmers

Trinkgelder an Reinigungspersonal muss der Arbeitgeber nicht der Lohnsteuer unterwerfen, wenn dieser nicht in den Trinkgeld-Zahlungsvorgang eingeschaltet ist. Dabei ist es unerheblich, ob die Trinkgelder die wesentliche oder sogar die alleinige Entlohnung des Reinigungspersonals darstellen.

Das Finanzgerichts (FG) Münster hatte darüber zu entscheiden, ob die Betreiberin eines Unternehmens für Reinigung von Toilettenanlagen in Autobahnraststätten zur Abführung der Lohnsteuer auf Trinkgelder verpflichtet ist. Die Arbeitgeberin führte lediglich Lohn- und Kirchensteuer auf die fest mit den Beschäftigten vereinbarten Löhne ab. Das Finanzamt unterstellte Mehreinnahmen und erließ einen Haftungsbescheid über knapp 300.000 Euro für den Zeitraum von fünf Jahren.

Der Auffassung des veranlagenden Finanzamtes widerspricht das FG. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs unterliegen freiwillig gezahlte Trinkgelder nur insoweit dem Lohnsteuer-Abzug durch den Arbeitgeber, wie dieser Kenntnis über die Höhe derselben hat. Das ist der Fall, wenn der Arbeitgeber in den Verteilungsvorgang der Trinkgelder eingeschaltet wird oder aber, wenn der Arbeitnehmer Angaben über die Trinkgeldzuflüsse macht. Eine Befragungspflicht des Arbeitgebers besteht nicht (FG Münster, 8 K 5308/02 L, rkr.).

Rechtsanwalt & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner
Rechtsanwalt & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner
Rechtsanwalt Jens Ferner - Fachanwalt für Informationstechnologierecht: Ich biete eine fokussierte Tätigkeit auf den Bereich Strafrecht, IT & Medien. Ergänzend dazu bin ich im Arbeitsrecht & Vertragsrecht sowie für Verbraucher vor Ort im Familienrecht & Erbrecht tätig. Eine umfassende Betreuung von Handwerkern, Agenturen & Unternehmen wird geboten. Kern meiner Tätigkeit ist das Prozessrecht, ganz besonders im Bereich IT-Prozess sowie Klageabwehr im Zivilprozess. Besprechungstermin in Alsdorf vereinbaren: 02404-92100. Beachten Sie, dass wir ausnahmslos keine Beratung per Mail oder Telefon anbieten - es gibt in unserer Kanzlei auch keinerlei kostenlose Tätigkeit!