Nutzung generativer KI durch Arbeitnehmer

In einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt, geprägt von technologischen Fortschritten und globalen Disruptionen, stehen sowohl Arbeitgeber als auch vor der Herausforderung, sich kontinuierlich anzupassen. Die Studie „Decoding Global Talent 2024„, durchgeführt von der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit The Network und The Stepstone Group, beleuchtet die aktuellen Präferenzen und Erwartungen von Arbeitnehmern weltweit. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Rolle der Fortbildung und der Nutzung von Generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) in der Arbeitswelt.

Der Kontext: Wandel der Arbeitspräferenzen

Die Studie basiert auf den Antworten von über 150.000 Teilnehmern aus 188 Ländern und liefert wertvolle Einblicke in die sich ändernden Arbeitspräferenzen. Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Instabilität bleibt Talent eine knappe Ressource. Arbeitnehmer sind sich ihrer Verhandlungsposition bewusst: Mehr als 60% glauben, dass sie die Oberhand auf dem Arbeitsmarkt haben. Doch diese Selbstsicherheit geht einher mit der Erkenntnis, dass kontinuierliches Lernen und Entwicklung entscheidend sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Bedeutung der Fortbildung

Die Studie zeigt, dass Job-Sicherheit und Lernmöglichkeiten heutzutage zu den wichtigsten Arbeitspräferenzen zählen. Diese Prioritäten spiegeln die wachsende Besorgnis über die langfristige Beschäftigungsfähigkeit wider, insbesondere angesichts der Auswirkungen von GenAI. Technologie, die einst nur repetitive Aufgaben betraf, hat nun das Potenzial, auch kreative und konzeptionelle Arbeiten zu beeinflussen. Daher ist die Bereitschaft zur Weiterbildung und Umschulung wichtiger denn je.

GenAI in der Arbeitswelt

Eine bemerkenswerte Erkenntnis der Studie ist die weitverbreitete Nutzung von GenAI. Rund 40% der Befragten nutzen regelmäßig GenAI-Tools, vor allem in Schwellenländern, wo die Akzeptanz neuer Technologien besonders hoch ist. Diese Tools werden hauptsächlich für Verwaltungsaufgaben, Recherche und kreative Prozesse eingesetzt. IT-Profis verwenden GenAI für das Codieren, während Marketingexperten es für die Erstellung personalisierter Inhalte nutzen.

Positionierung Europas und Deutschlands

Wie präsentiert sich Deutschland?

Die Studie liefert wichtige und bedrückende Einblicke in die Positionierung von Europa und insbesondere Deutschland im globalen Wettbewerb um Talente. Im Rahmen der Untersuchung wurden über 150.000 Teilnehmer aus 188 Ländern befragt, was eine umfassende Analyse der Arbeitspräferenzen und der Nutzung neuer Technologien wie Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) ermöglicht.

Europa im globalen Vergleich

Europa zeichnet sich durch einige besondere Merkmale in den Arbeitspräferenzen und der Nutzung von GenAI aus. Die Studie zeigt, dass europäische Arbeitnehmer im Vergleich zu anderen Regionen besonderen Wert auf eine gute Work-Life-Balance legen. Dies steht im Einklang mit der Tradition vieler europäischer Länder, die Arbeitszeiten zu regulieren und großzügige Urlaubsregelungen zu bieten. Auch die Anzahl der bezahlten Urlaubstage und Feiertage wird in Europa höher geschätzt als in anderen Teilen der Welt.

Ein weiteres Merkmal ist die vergleichsweise geringere Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit. Europäische Arbeitnehmer scheinen weniger besorgt über die langfristige Beschäftigungsfähigkeit zu sein, was auf starke Arbeitsmarktschutzmaßnahmen und ein robustes soziales Sicherungssystem hinweist.

Deutschland als Vorreiter in der Arbeitskultur und Technologieadoption?

Deutschland, als eine der führenden Volkswirtschaften Europas, spiegelt viele der allgemeinen europäischen Trends wider, zeigt aber auch einige spezifische Besonderheiten:

Wertschätzung der Work-Life-Balance

Deutsche Arbeitnehmer legen großen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben. Flexible Arbeitszeiten und -Möglichkeiten sind hier besonders gefragt.

Niedrige Bereitschaft zur Umschulung

Im Vergleich zu Schwellenländern wie Kenia oder Mexiko zeigen sich deutsche Arbeitnehmer weniger bereit, sich umschulen zu lassen. Dies könnte auf ein hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und weniger Druck zur Anpassung an technologische Veränderungen hinweisen.

Skepsis gegenüber GenAI

Die Studie zeigt, dass die Adoption von GenAI in Deutschland im Vergleich zu vielen Schwellenländern niedriger ist. Dies könnte auf eine stärkere Regulierung und ein höheres Bewusstsein für mögliche Risiken und Bedrohungen durch KI-Technologien zurückzuführen sein.

Fokus auf Beziehungen und Kultur am Arbeitsplatz

Deutsche Arbeitnehmer schätzen gute Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten sowie eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Diese sozialen Faktoren sind entscheidend für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz und werden hoch priorisiert.

Implikationen für Arbeitgeber in Deutschland

Für deutsche Arbeitgeber ergeben sich aus diesen Erkenntnissen wichtige Handlungsfelder:

  • Förderung der Work-Life-Balance: Um Talente anzuziehen und zu binden, sollten Unternehmen flexible Arbeitsmodelle und eine gute Work-Life-Balance unterstützen.
  • Anpassung der Weiterbildungsangebote: Trotz der geringeren Bereitschaft zur Umschulung müssen Unternehmen Strategien entwickeln, um Mitarbeiter für kontinuierliche Weiterbildung und Anpassung an neue Technologien zu motivieren.
  • GenAI-Nutzung fördern: Unternehmen sollten gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Akzeptanz und Nutzung von GenAI zu erhöhen, etwa durch Schulungen und die Integration von KI in alltägliche Arbeitsprozesse.

Die Studie verdeutlicht, dass Europa und Deutschland im globalen Wettbewerb um Talente gut positioniert sind, aber auch spezifische Herausforderungen bewältigen müssen. Die Priorisierung von Work-Life-Balance und guten Arbeitsbeziehungen sind klare Stärken, während die Zurückhaltung gegenüber Umschulungen und neuen Technologien wie GenAI potenzielle Schwächen darstellen. Arbeitgeber in Deutschland müssen diese Erkenntnisse nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Belegschaft für die Zukunft zu rüsten.


Herausforderungen und Vorteile der GenAI-Nutzung

Trotz der positiven gegenüber GenAI gibt es Herausforderungen. Viele Nutzer berichten von Schwierigkeiten bei der Datenverfügbarkeit und technischen Problemen. Zudem sind die meisten Anwender vorsichtig, was die Qualität und Verlässlichkeit der von GenAI generierten Ergebnisse betrifft. Dennoch überwiegen die Vorteile: GenAI hilft, Fehler zu reduzieren, die Effizienz zu steigern und mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben zu gewinnen.

Die Rolle der Arbeitgeber

Um Talente anzuziehen und zu halten, müssen Arbeitgeber eine komplexe Balance finden. Sie müssen die Auswirkungen der Technologie auf ihre Belegschaft vorhersagen und robuste Umschulungsprogramme anbieten. Eine Kultur, die auf Werten basiert und eine personalisierte Rekrutierung bietet, ist ebenso entscheidend. Arbeitgeber sollten von traditionellen Schulungen zu strategischen Kompetenzentwicklungen übergehen und sicherstellen, dass diese Programme eng mit den Unternehmenszielen verknüpft sind.


Resümee

Die von den Medien zu Recht vielbeachtete Studie verdeutlicht, wie wichtig kontinuierliche Weiterbildung in der heutigen Arbeitswelt ist, insbesondere im Kontext der Einführung von GenAI. Arbeitnehmer sind bereit, neue Fähigkeiten zu erlernen, um ihre Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Arbeitgeber, die diese Entwicklung unterstützen und fördern, werden in der Lage sein, die besten Talente anzuziehen und zu binden.

Die vollständige Studie ist frei verfügbar und bietet eine detaillierte Analyse und wertvolle Einblicke, die sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer von großer Bedeutung sind, um sich in der sich schnell verändernden Arbeitslandschaft zurechtzufinden. Weitere Informationen und die komplette Studie findest du auf der Website der Boston Consulting Group.

Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)

Ich bin Fachanwalt für Strafrecht + Fachanwalt für IT-Recht und widme mich beruflich ganz der Tätigkeit als Strafverteidiger und dem IT-Recht. Vor meinem Leben als Anwalt war ich Softwareentwickler. Ich bin Autor sowohl in einem renommierten StPO-Kommentar als auch in Fachzeitschriften.

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