Stockfotografie: Gettyimages bietet kostenlose Nutzung ausgewählter Bilder

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Anfang März 2014 machte es plötzlich die Runde: Man könne bei Gettyimages nun auch kostenlos Bilder verwenden. Nachdem bei unberechtigter Bild-Nutzung von Bildern „Abmahnungen“ von Gettyimages bekannt geworden sind, dürfte das durchaus auch unter diesem Aspekt einige Interessieren. Ein kurzer Blick auf die Lage.

Die Suche nach Bildern die „frei“ verwendet werden dürfen

Jedenfalls ich brauchte einige Zeit, bis ich in der enormen Datenbank ein Bild gefunden habe, das man „frei“ einbinden können soll. Dazu muss man wohl mit dem Mauszeige in der Vorschau das jeweilige Bild auswählen, im Popup erscheint dann ein Button, der die Verwendung des Bildes ankündigt:

Bildschirmfoto 2014-03-06 um 12.37.20

Der Button „< / >“ kündigt die neue Verwendungsform an (Leiste bei Gettyimages in der Vorschau)

Nach einem Klick auf das Bild findet sich darunter erneut ein solcher Button, der ein Popup öffnet, mit dem sich das Bild verwenden lässt

Bildschirmfoto 2014-03-06 um 12.39.44

Beispielhafte Ansicht der Einbindung bei Gettyimages

Nutzungsbedingungen von Gettyimages beachten!

Wer sich das Formular zur Einbindung ansieht, dem fallen zwei Dinge auf: Es wird eine Einbindung über ein „iframe“ betrieben und dann gibt es noch den Hinweis auf die geltenden Nutzungsbedingungen. Beides gehört zusammen und sollte beachtet werden.

In den Nutzungsbedingungen von Gettyimages wird dies direkt klar gestellt:

Soweit verfügbar, dürfen Sie Getty Images-Inhalte unter Verwendung des eingebetteten Viewers (der „eingebettete Viewer“) auf einer Website, in einem Blog oder auf einer Social-Media-Plattform einbetten.

Dies bedeutet die erste Einschränkung: Man darf die Bilder wenn, dann nur über den „eingebetteten Viewer“ verwenden. Deeplinks oder manuelle Kopien sind meines Erachtens damit gerade nicht zulässig! Weiterhin möchte Gettyimages frei entscheiden, was eingebunden werden darf und was nicht – auch nachträglich. Das bedeutet es sind weder alle Bilder auf diesem Wege verfügbar, noch ist ein einmal verfügbares Bild mit der Garantie versehen, dass es unbegrenzt auf diesem Wege verfügbar bleibt:

Getty Images behält sich das Recht vor, Getty Images-Inhalte nach alleinigem Ermessen und ohne Vorankündigung aus dem eingebetteten Viewer zu entfernen.

Diese Einstellung ist nachvollziehbar, beinhaltet aber das Risiko, dass – vielleicht unbemerkt – plötzlich Bilder im eigenen Blog nicht mehr zu sehen sind. Daneben behält sich Gettyimages das Recht vor, jederzeit Werbung über den „eingebetteten Viewer“ zu schalten. Neben der Geschmacksfrage ob man Werbung schaltet betrifft dies dann natürlich die Frage, ob ein eigenes Blog als geschäftliches Blog anzusehen ist, was u.a. erweiterte Informationspflichten begründen kann.

Unzulässigkeit der Nutzung

Ausführlich legt Gettyimages fest, wer die Bilder über den eingebetteten Viewer nutzen darf und wer jedenfalls nicht. Das liest sich im ersten Schritt dann so:

Sie dürfen eingebettete Getty Images-Inhalte nur zur redaktionellen Zwecken (also im Zusammenhang mit Ereignissen, die berichtenswert und von öffentlichem Interesse sind) verwenden.

Es geht also auf den ersten Blick darum, Blogs mit Berichten eine Verwendung zu ermöglichen. Interessant ist es dann aber schon, wenn man einschränkt, dass es um „berichtenswertes“ und „öffentliches Interesse“ geht – es drängt sich hier schon die Frage auf, ob Berichterstattung über spezialisierte Themen gar nicht erst erfasst sein soll. Tatsächlich liest sich die Klausel so, als ob die Nutzung nur denjenigen gestattet sein soll, die die Bilder in Artikeln nutzen, die auch eine gewisse Reichweite haben oder zumindest haben können. Insoweit tue ich mich schwer damit, davon zu sprechen, dass jegliches Blog auf diese Bilder zurückgreifen darf. Der Streit ist an dieser Stelle für mich absehbar.

Weiterhin wird dann festgelegt, welche Nutzung auf der anderen Seite in jedem Fall unzulässig ist:

Nicht gestattet ist die Verwendung eingebetteter Getty Images-Inhalte:
(a) für jegliche gewerbliche bzw. geschäftliche Zwecke (z. B. in Werbung, Marketing oder zum Verkauf von Waren) oder auf eine Weise, die eine Empfehlung oder Sponsoring impliziert;
(b) unter Verletzung jeglicher angegebener Beschränkungen;
(c) auf diffamierende, pornografische oder anderweitig ungesetzliche Weise; oder
(d) außerhalb des Nutzungskontexts des eingebetteten Viewers.

Wesentlich dürfte dabei die Klausel (a) sein, die auf den ersten Blick „nur“ geschäftsmäßige Webseiten ausschliesst. Hier beginnt bereits die übliche Frage, wann eine Seite gewerbliche bzw. geschäftliche Zwecke verfolgt – genügen dafür schon Werbeanzeigen? Die Trennung in den vorliegenden Nutzungsbedingungen zwischen „redaktioneller Nutzung“ und geschäftlicher Nutzung ist jedenfalls so leicht nicht, da sich beides eben nicht ausschliesst.

Tatsächlich tue ich mich mit dieser Klausel aber darüber hinaus auch schwer, da ich nicht verstehe, was eine Nutzung in einer „Weise“ ist, die „eine Empfehlung oder Sponsoring impliziert“. Vielleicht ist damit gemeint, dass man durch die Verwendung des Bildes nicht den Anschein erwecken darf, es läge eine Empfehlung durch Gettyimages vor – oder es ist damit gemeint, dass durch die Verwendung des Bildes kein Produkt empfohlen werden darf. Wie sähe es im letzteren Fall dann etwa mit Produktrezensionen aus? Eine positive Rezension ist auch immer eine Empfehlung. Natürlich keine Werbung, aber die wiederum ist für Gettyimages ja auch etwas anderes als nur eine „Empfehlung“, da man beides begrifflich trennt. Da eine solche Empfehlung auch nicht zwingend gewerblicher oder geschäftlicher Art ist (man hat es durch ein „oder“ mit Bezug auf die „Weise“ getrennt), bleibt hier viel Raum für Streit. In Kombination mit Produkten wird daher eine Verwendung nach meinem Eindruck immer schwierig sein.

Schwierig wird es für mich auch, wenn die „diffamierende Weise“ ausgeschlossen ist. Laut dem Duden (Fremdwörterbuch) fällt hierunter auch eine „Bosheit“, also eine letztlich besonders kritische Äußerung. Dass am Ende „anderweitig ungesetzlich“ steht, hilft bei der Auslegung nicht, da auch die angesprochene „pornographie“ nicht per se ungesetzlich ist. Es bietet sich innerhalb der Klausel also kein Anhaltspunkt, davon auszugehen, dass nur die rechtlich unzulässige Diffamierung, die wohl die Schmähkritik und Beleidigung wäre, erfasst sein soll. Ausgeschlossen ist damit für mich im Ergebnis nicht, dass man verhindern möchte, dass allzu kritische Artikel (mit entsprechendem negativen Echo) mit Bildern auf diesem Wege untermalt werden.

Fazit

Die kurze Betrachtung zeigt bereits: Allzu leicht wird es nicht sein mit der Benutzung, Fragen stellen sich in erheblichem Maße. Das beginnt bei der Frage, wer überhaupt berechtigt sein soll die Bilder zu nutzen. Jedenfalls sobald auch nur irgendwie Produkte von einem Artikel betroffen sind, etwa als Rezension, wird man umso Vorsichtiger sein müssen. Dies auch unter dem Aspekt, dass Gettyimages in der Vergangenheit durchaus deutlich gemacht hat, bei Rechtsverstößen nicht wegzusehen. Insgesamt bin ich eher skeptisch, was diese Nutzungsmöglichkeit angeht.

Rechtsanwalt Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner

Fachanwalt für IT-Recht bei Anwaltskanzlei Ferner
Rechtsanwalt Jens Ferner, Strafverteidiger & Fachanwalt für Informationstechnologierecht, berät Sie in sämtlichen vertraglichen, familienrechtlichen, medienrechtlichen und strafrechtlichen Fragen. Seine Schwerpunkte liegen im IT-Recht, Strafrecht, Wettbewerbsrecht, Lebensmittelrecht, Datenschutzrecht, Vergaberecht und IT-Vertragsrecht samt Softwarerecht.
Rechtsanwalt Jens Ferner

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Autor: Rechtsanwalt Jens Ferner

Unsere Rechtsanwälte beraten Sie insbesondere im Strafrecht & Verkehrsrecht, IT-Recht und gewerblichen Rechtsschutz, Kaufrecht und Familienrecht. Rechtsanwalt Jens Ferner, Fachanwalt für Informationstechnologierecht, berät Sie in sämtlichen medienrechtlichen und strafrechtlichen Fragen. Hierbei mit Schwerpunkten im Strafrecht, Wettbewerbsrecht, Urheberrecht, Datenschutzrecht, Vergaberecht, Arbeitsrecht und (IT-)Vertragsrecht samt Softwarerecht und AGB. Rechtsanwalt Jens Ferner ist Autor in mehreren Fachbüchern zum Thema IT-Recht und Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen.