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Hinweis: Straftaten und ältere Mitbürger

Es ist inzwischen durchaus bekannt, dass Straftaten gezielt gegen ältere Mitbürger gerichtet werden. Ich hoffe, den “Enkeltrick” kennt heute fast jeder (ansonsten: Nachlesen!). Ältere Menschen sind für Ganoven vor allem aus zwei Gründen besonders attraktiv: Zum einen wird versucht eine häufig – aber eben nicht immer – auf Grund des Alters anzutreffende Unsicherheit oder gar Leichtfertigkeit auszunutzen. Zugleich weisen alle Opfer von – zumindest bestimmten – Straftaten eine gewisse Scham auf, sich hilfesuchend an andere zu wenden. Bei Sexualtaten ist das ein sehr verbreitetes Verhaltensmuster, aber auch bei Betrügereien. Bei letzterem ist es die Scham, sich als “Dumm” gegenüber seinen Verwandten oder Dritten outen zu müssen, da man auf einen (evt. gar bekannten) Trick hereingefallen ist.

An dieser Stelle ist das soziale Umfeld gefragt: Mit gutem Zuhören und der richtigen Unterstützung kann man seinen Verwandten sehr helfen. Wenn sich ein evt. Betrugsverdacht abzeichnet hilft es erfahrungsgemäß, sofort klar zu stellen, dass der Betrüger jede Missachtung verdient hat und nicht das Opfer. Bemerkungen wie “Wie konnte dir das denn passieren” dürfen nicht fallen, da ansonsten “dicht gemacht” wird. Gleichwohl muss ich feststellen, dass so etwas in der Hitze des Augenblicks leider schnell passiert.

Wenn man bei seinen betagten Eltern oder Großeltern merkt, dass etwas nicht stimmt und den Sachverhalt zumindest brauchbar aufklären konnte, sollte man sich um Schadensbegrenzung bemühen. Sofern Geld geflossen ist, sollten schriftliche Belege gesammelt werden (es scheint eine Eigenart deutscher Betrüger zu sein, die Betrügerei auch noch immer belegen zu wollen – häufig wird auch etwas Überwiesen oder gar Abgebucht).

Wenn man zumindest die “Klassiker” der Tricks kennt, kann man wenigstens auf bestimmte Schlüsselwörter achten. Daher hier ganz kurz ein paar Hinweise: Neben dem “Enkeltrick” und dem “Glas Wasser Trick” gibt es noch den “Klempnertrick” (letztere beide gehen nicht selten mit Übergriffen, zumindest dem Betreten der Wohnung einher). Heute kaum mehr vorhanden ist noch der “Wechselgeldtrick”, der aber vor allem im Alltagsgeschäft, etwa an einem Kiosk aufgetreten ist. Daneben sind zur Zeit einige klassische Formen auffällig, die speziell bei älteren Menschen Erfolgversprechend sind:

  1. Unerbetene Anrufe mit angeblichen Gewinnen, in deren Anschluss angeblich irgendein Vertrag abgeschlossen wurde.
  2. Unerbetene Anrufe aus irgendeinem Zusammenhang, in deren Verlauf versucht wird, die Kontodaten abzufragen. Es folgen dann unauthorisierte Abbuchungen.
  3. Gerade sozial etwas isolierte Witwer fallen im ersten Jahr nach dem Trauerfall gerne auf unseriöse Partneranzeigen herein. Das Thema habe ich hier bereits aufgegriffen, dabei profitieren die Betrüger noch einmal zusätzlich – nämlich von der Tatsache, dass der Witwer gegenüber seinen Kindern auch noch zusätzlich die Angst hat, zuzugeben, nach seiner langjährigen Ehefrau (relativ schnell) “Ablenkung” zu suchen.
  4. Drücker an der Haustüre bringen mit mehr oder minder dezentem psychischem Druck auch heute noch gerne mal Zeitschriften-Abos an Mann und Frau.
  5. Beliebt ist es auch, an der Haustüre vollkommen unsinnige Telefon-Verträge anzudrehen. Etwa der 80Jährigen Omi, die nicht einmal Internet buchstabieren kann, mit den Worten “Nur analog?! Sie brauchen unbedingt ISDN und DSL – dann kommen auch die Enkel häufiger!” einen viermal so teuren Vertrag andrehen.

Wie gesagt: Das sind m.E. die Klassiker und wenn man gewisse Schlüsselwörter hört (“Ich habe jetzt ein neues Telefon!”) kann man vorsichtig nachhorchen. Aber bitte: Auch nicht bei jedem Alltagsgeschehen gleich die Mafia hinter dem Couchkissen vermuten. Spätestens aber, wenn eine plötzliche Geldknappheit zu herrschen scheint, die es so nie gab, sollte man hellhörig werden. Ebenso wenn plötzlich ein Name fällt, der vollkommen unbekannt ist und nun mehrmals erwähnt wird.

Wenn sich ein Verdacht bestätigt, wie gesagt: Belege sammeln. Heute ist man in der guten Position, dass Polizei und Staatsanwaltschaften sich des Problemfeldes bewusst sind. Gerade in NRW gibt es verstärkte Bemühungen, das Problem in den Griff zu bekommen, Betroffene im Einzugsgebiet der Staatsanwaltschaft Aachen (Aachen, Düren, Heinsberg) profitieren dabei von einer (im Rahmen eines Modellprojektes) bei der StA Aachen eingerichteten Sonderstelle in Sachen “Kriminalität gegen Senioren”. Zusätzliche erste Informationen bietet ausserdem das Land NRW auf einer gesonderten Informationsseite, hier zu finden.

Die behördliche Betreuung ist insofern in den letzten Jahren ein echter Lichtblick geworden und sie werden auf eine professionelle Bearbeitung stoßen. Dennoch, gerade mit Blick auf die Zurückforderung von evt. geflossenem Geld, lohnt sich der Gang zum Rechtsanwalt. Dieser kann im Strafverfahren begleiten und sich schnellstmöglich um mögliche Ansprüche auf Rückzahlung kümmern. Auch hier werden Sie schnell merken, dass die Justiz das Problem längt im Blick hat und erfahrene Rechtsanwälte wissen, wie sie das Thema anzugehen haben. Für Betroffene bleibt von meiner Seite daher das Fazit: Sie sind nicht alleine (gelassen).

Hinweis: Ich habe mich in diesem Artikel bewusst auf das soziale Umfeld (Kinder, Enkel etc.) konzentriert. Nach meiner Erfahrung ist eben dieses Umfeld der sicherste Anker und die beste Hilfe, da zu viele Opfer sich – aus verständlicher Scham – zurückziehen, nachdem sie “schnell gezahlt haben”. So unjuristisch der Rat auch ist, so lebensnah ist er: Kontakt zu Verwandten halten, zuhören und im Fall des Falles vorwurfslos unterstützen sind die besten Prämissen um dem geliebten (älteren) Menschen beizustehen. Und allzu oft zeigt sich: Wenn die harte Zeit einmal vorbei ist, ist der Schaden letztlich erheblich eingeschränkt. Dabei mein Rat, die finanzielle Situation des Betroffenen im Auge zu haben, gerade bei Partnerschaftsbetrügereien fliessen schnell einige Tausend Euro und die (erneute) Scham, sich von seinen Kindern Geld zu leihen, ist besonders gross. Achten Sie darauf, ob sich der Lebensstandard verändert und bieten Sie von sich aus Hilfe an.

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