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Arbeiten mit dem iPad – Teil 2

Lange ist es her: Am 11. Juni 2010, also vor fast 5 Monaten, habe ich meine ersten Eindrücke zum Arbeiten mit dem iPad festgehalten. Inzwischen hat sich einiges geändert, speziell die vielen neuen Apps im App-Store. Also: Zeit für einen zweiten Teil meiner Eindrücke des Arbeitens mit dem .

Schon jetzt kann ich festhalten: Wir wollen es in unserer Kanzlei nicht mehr missen, das iPad. Es ist bis heute eine echte Bereicherung des Arbeitsalltags und erleichtert die Bearbeitung digitaler Akten enorm. Tatsächlich möchte ich gar behaupten, dass erst mit dem iPad die “digitale Akte” in Vollendung Einzug gehalten hat. Zu oft war es, speziell außerhalb der Kanzlei (etwa bei Gericht), zu lästig den Laptop anzuwerfen, nur um eine einzelne Seite nachzusehen – mit dem iPad ist das ein anderes Thema.

Womit ich schon beim ersten Punkt bin: Das Lesen von PDF-Dateien auf dem iPad. Hier bin ich weiter bei iAnnotate geblieben, auch wenn das letzte Update es einem schwer macht, die herausragende Software weiter so lieb wie zuvor zu haben: Die neue Ordnersteuerung führt ständig dazu, dass man versehentlich einen Ordner (oder eine Datei) in einen anderen Ordner verschiebt. Ähnliche Kritik habe ich schon von anderen Nutzern gehört, die Entwickler haben sich hier selbst ein Bein gestellt. Abgesehen von diesem Missgriff hat sich iAnnotate allerdings herausragend weiter entwickelt und ist ein PDF-Werkzeug, das weiterhin nur empfohlen werden kann. Gerade weil man damit Kinderleicht auch Dateien hin und herschieben (leider immer noch nicht synchronisieren) kann, wird die Software noch einige Zeit der Renner schlechthin sein, wenn es um die Verwaltung von PDF-Dateien auf dem iPad geht.

Im Bereich der Dateiverwaltung insgesamt ist Goodreader nunmehr die Software ohne Konkurrenz: Man hat sich weiterentwickelt und Anbindungen an sämtliche Dateiquellen geschaffen, auch Dropbox & Co. Was fehlt ist eine ständige Bereithaltung sämtlicher Dateien von fremden Quellen mit Synchronisation, man zieht eben bei Bedarf die Dateien die man braucht, aber im Alltag hat es sich durchaus bewährt. Solange Apple hier weiter die Bedürfnisse der Nutzer verschläft wird man an Goodreader nicht vorbeikommen.

Bei den sozialen Netzen hatte ich lange Friendly als -Browser im Einsatz, der gute Dienste leistete – bis zur Version 3 (am 28.10. erschienen). Seitdem ist die Software bei mir unbrauchbar, da sie sich nicht mehr einloggen kann. Hier kommt also wieder Safari zum Einsatz, bei Twitter mal Safari mal Twitterifc. Ansonsten ist festzustellen, dass die meisten Anbieter (XING, LinkedIN, Qype) bis heute nur iPhone-Apps zur Verfügung stellen, die also nicht Bildschirmausfüllend sind. Gerade bei “Profi-Netzwerken” wie XING und Linkedin ist das eine durchaus beschämende Leistung, die auch dazu führt, dass ich letzten Endes eher als XING nutze. Hier zeigt sich auch, wie wichtig es für Anbieter ist, den Anschluss nicht zu verpassen, wenn man User binden möchte.

Eine vernünftige Alltagstaugliche WordPress-App habe ich bisher nicht entdeckt. Die Verfügbaren Apps schwächeln ständig und sind m.E. nicht empfehlendwert. Dafür ist die Piwik-App (hier angesprochen) eine richtig gute Sache, vor allem wenn man viel Unterwegs ist und die aktuellen Webseiten-Zugriffe dauerhaft im Auge haben möchte – auch um auf evt. Entwicklungen sofort zu reagieren – ein geniales Tool. Hier zeigt sich auf der Level, auf dem man sich bewegen kann: Gleich wo man ist, kann man sehen, wo die eigenen Artikel aktuell verlinkt und besprochen werden, um einzuschätzen, ob und wie man darauf reagiert. Freilich muss man sich, wenn man es ernst nimmt und ggfs. auch mit Problemen rechnen muss, überlegen ob man ein Tool programmiert, dass bei Backlinks bestimmter Seiten Email-Alerts anlegt; jedenfalls wer das nicht kann, sollte das Piwik-Tool betrachten.

Bezüglich iWork hat sich an meiner ersten Einschätzung wenig getan: Grundsolide Software, mit der man durchaus arbeiten kann. Ärgerlich sind die Details in der Praxis, wo Apple mich enttäuscht: Ich habe diese Tastatur, wo man das iPad einstecken kann. Damit kann man allen Ernstes herausragend an Dokumenten arbeiten bzw. Dokumente erstellen, aber…
Aber Apple hat nicht mitgedacht, es gibt immer noch keine Tastaturkombinationen und die Magicmouse wird auch nicht erkannt. Sprich: Wer nun (etwa im Kurzurlaub) etwas schreiben möchte und dann einen Teil Fett markieren möchte, muss von der tastatur ablassen, mit dem Finger auf dem iPad den entsprechenden Text markieren und dann mit dem Finger die “Fett”-Taste auf dem Bildschirm drücken. Warum man nicht mit den üblichen Tastenkombinationen diese Befehle durchführen kann bleibt das einsame Apple-Rätsel (wie so manches).

Kommen wir zu den Gesetzes-Apps, die wirklich nett sind, wo aber erst einmal noch viel Potential auszuschöpfen ist: Die Apps von Beck habe ich bisher nicht getestet, weil sie nur als iPhone-Apps daher kommen. Auf einem iPad nur den halben Bildschirm zu nutzen ist mir zu wenig, also bleiben nur Walhalla, Dejure und Lexbank. Die Apps vom Walhalla-Verlag sind nett und es gibt kostenlose Probe-Exemplare, so dass sich jeder selber einen Eindruck verschaffen kann. Ich denke, die interne Suche in den Gesetzes-Apps kann dabei ein echter Vorteil gegenüber normalen Gesetzestexten sein, faktisch brauchte ich es bisher aber fast nie. Der Vorteil einer solchen Gesetzes-App liegt zur Zeit vor allem darin, einfach keine Bücher mitnehmen zu müssen.
Die “MeineGesetze”-App nutze ich inzwischen gar nicht mehr und bei der DeJure-App war ich enttäuscht, weil es zwar die Gesetze gibt, aber der eigentliche DeJure-Mehrwert (Hinweise auf Urteile und Aufsätze im Internet) hier nicht vorhanden ist. Eben hier ist auch mein Kritikpunkt: Eine Gesetzes-App, die einfach nur Gesetzestexte liefert, ist mir persönlich zu wenig – so toll ist der Verzicht auf das gedruckte Büchlein dann auch wieder nicht. Viel besser wäre es, den möglichen Mehrwert reinzubringen: Links zu frei Verfügbaren Aufsätzen, Links zu Beiträgen in Datenbanken wie Beck-Online etc. Damit kann man ja auch zugleich seine Datenbanken mit vermarkten, aber irgendwie fehlt das hier dann noch.

Lexbank ist ein anderer Fall, da keine reine Gesetzes-App. Hier gibt es neben Gesetzen diverse andere Funktionen, die allesamt sehr nett sind und durchaus (da noch kostenlos) einen Blick wert. Allerdings zeigt sich bei Lexbank ideal das Problem der meisten Software-Hersteller: Lexbank bietet nämlich auch digitale Akten an, die man mit RA-Micro verwaltet. Die passende Software für den Mac gibt es aber nicht. Ich habe also eine iPad-App, die umfänglich nur Sinn macht, wenn man (irgendwo) einen Windows-Rechner hat.

Gerade im juristischen Bereich habe ich schon früh (2008 auf Jurakopf) bemängelt, dass die Verlage und Unternehmen den Anschluss verpassen, wenn sie nicht bald anfangen, von der alleinigen Windows-Unterstützung abzusehen. Inzwischen ist zu vermerken, dass immer mehr Juristen auf Mac setzen – und bestenfalls mit Emulatoren/Virutalisierungen noch diese Software nutzen können. Die fehlende Weitsicht dürfte sich allmählich rächen, ich blicke da mit Bedauern vor allem in Richtung Normfall, die auf dem Mac keinen Fuss mehr fassen dürften.

Grund dafür ist meine inzwischen favorisierte Software: , mit der ich meine Akten problemlos verwalten kann. Mit Devonthink kann man (nur auf dem Mac) sämtliche Informationen, gleich welcher Art, strukturieren und verwalten. Und nunmehr, vor wenigen Tagen, erschien endlich die dazugehörige iPad-App, mir der nun eines möglich ist: Auf dem Mac in einer Datenbank alle Informationen sortieren und strukturieren um sie in echter Synchronisation auf dem iPad immer dabei zu haben. An dieser Stelle schon einmal eine uneingeschränkte Empfehlung in Richtung Devonthink: Wer Daten jeglicher Art (Akten, Informationen, Medien, Dokumente) verwalten muss, ist mit Devonthink perfekt bedient. Es gibt nichts vergleichbares, dass derart viel Umfang bei derart viel Komfort bietet und zudem alle notwendigen Geräte (Mac, iPhone, iPad) bedient.

Nun genug des Lobes, ein Blick in die Devonthink-iPad-App: Auf Anhieb funktioniert alles wie man es erwartet, die Synchronisation geht überraschend schnell und ist extrem komfortabel. Nachteil: Die Entwickler haben nicht die Option geschaffen, dass man direkt vollständige Datenbanken synchronisieren kann. Man muss in Devonthink die jeweils zu synchronisierenden Gruppen in einen “Sync”-Ordner kopieren (besser: Replizieren!) damit sie dann bei der Synchronisation beachtet werden. Wenn man in seiner Datenbank auf oberster Ebene um die 100 Gruppen hat, ist da der Anfang eine nervige Einrichtung – die man aber in den Griff bekommt. Nach dem ersten Frust hatte ich innerhalb von einer guten Stunde alles so, dass ich glücklich war.

Schwieriger sind auch noch weitere Details: Dass man etwa nicht alle vergebenen Tags auf dem iPad in einer Liste sehen kann, um dann die Dokumente zu einem tag anzeigen zu lassen, war für mich doch recht frustrierend. Dafür funktioniert die Suche perfekt und gleicht das wieder aus. Anmerkung: In der Suche steckt ein kleiner Bug: Wer nach “Dateinamen & Inhalten” sucht und dann ein HTML Dokument findet, dieses aufruft und dann über “Zurück” zum Home-Bildschirm geht, produziert einen App-Absturz. Es hilft nur, eine andere Datei in der Suche auszuwählen und dann auf “Zurück” zu klicken.

Insgesamt aber muss ganz klar festgestellt werden: Wenn Devonthink sich so weiterentwickelt wie es abzusehen ist, und speziell in der iPad-App der richtige Schwerpunkt in den nächsten Monaten gesetzt wird, dürfte es DIE Software zur Verwaltung von Inhalten und speziell auch Akten werden können. Sofern man es auf die Reihe bekommt, auch zwei Devonthink-Datenbanken auf zwei verschiedenen Rechnern zu synchronisieren.
Devonthink ist nicht Oversized, man kann es so nutzen, wie es einem selbst am besten gefällt und man hat alles perfekt im Griff. Wer es bisher nicht kennt, muss schlichtweg hineinsehen – wer keinen Mac hat, weiss (zum Glück) nicht, worauf er verzichtet. Hinsichtlich der vergleichbaren Software Normfall muss bitter festgestellt werden, dass hier eine iPad-Anbindung aktuell nicht einmal angedacht scheint.

Im nunmehr aktuellen Fazit von mir bin ich zur Zeit arbeitstechnisch sehr zufrieden mit dem iPad, was weniger an Apple liegt, als vielmehr an Devonthink. An den sonstigen Einschätzungen hat sich nichts geändert, in der Organisation meines Alltags ist es eine echte Bereicherung. Abzuwarten bleibt, wie sich iOS4 auf dem iPad auswirken wird, besonders die Multitasking-Funktion wird für mich interessant sein. Ärgerlich ist, dass so viele sinnvolle Apps weiterhin nur als iPhone-App zur Verfügung stehen, an diesem Punkt gehe ich mit entsprechenden Anbietern hart ins Gericht: Wer sich mit dem Attribut “Profi” schmückt und selbst nach fast einem halben Jahr immer noch nichts für das iPad anbieten kann, der verwendet m.E. ein unverdientes Attribut (gell, XING?!). Zu Begrüßen wäre es, wenn ich endlich mit einer guten WordPress-App meine Blogs ohne Einschränkungen pflegen könnte, wenn ich unterwegs bin. Faktisch kann man zwar damit arbeiten, m.E. (speziell wenn es um Textformatierungen geht) aber eher schlecht als recht. Jedenfalls mit Blick auf meinen Arbeitsalltag, in dem das digitale arbeiten im Netz eine wesentliche Komponente ist, ist das ein durchaus nerviger Aspekt.

Auf die vielgestellte Frage, ob das iPad sich lohnt, kann ich weiterhin nur sagen: Es kommt drauf an. Und zwar auf die individuellen Bedürfnisse und auch Arbeitsweisen. Für mich ist es nicht nur lohnend, sondern eine Bereicherung die meinen Alltag erleichtert. Das mag bei manch anderem auch anders sein. Ich denke, ein pauschales Urteil verbietet sich weiterhin.

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