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Anmerkung: Unser Alltag ist wertvoll

Und wieder ein Aufreger, wieder soll es Easycash bzw. ein Tochterunternehmen sein: Systematisch wurden unsere Zahlungsdaten analysiert und angeblich weiter verkauft, titelt der NDR. (Update: In Wahrheit soll es anders gewesen sein, dazu diese Meldung).
Dabei wäre es gar nicht die Tatsache der Speicherung, Analyse und Weitergabe, die überraschen darf, wie ich kürzlich schon geschrieben habe: Die Unwissenden – die Naiven – sind es, die überrascht sind.

Die eigentliche Erkenntnis darf an diesem Punkt nicht sein, mit dem Finger auf Easycash zu zeigen und “böse” zu rufen. Auch der Reflex, jetzt 1 oder 2 Wochen weniger mit EC-Karte zu zahlen um dann wieder in alte Muster zu verfallen, mag zwar den Alltag aufheitern, bringt aber auch nichts. Nein, die wirkliche Erkenntnis, die man gewinnen muss ist die, dass unser Alltag wertvoll ist. Die umfassende Digitalisierung von Konsum und Zahlungsverkehr ermöglicht es, sehr umfassende Analysen von unserem (Konsum-)Verhalten zu erstellen. Wir haben einen Punkt erreicht, an dem unser Alltag mit wenigen Ausnahmen statistisch erfassbar ist. Man kann Muster erstellen, in denen erfasst wird, dass jemand, der pro Woche die Summe X in den Läden A,B,C konsumiert im Regelfall zum Wochenende das Einkaufscenter X in Y aufsucht um dort zu konsumieren. Wer solche Daten kauft und diese ggfs. mit Einkaufsverhalten von Payback-Kunden abgleicht, kann Strukturiert mit Werbemaßnahmen in den Alltag eingreifen, um das Konsumverhalten direkt zu steuern. Möglich ist das aber nur, wenn man die Verhaltensmuster im Alltag relativ umfassend kennt.

Und natürlich interessiert es die Industrie nicht, ob Fritzchen Müller immer Donnerstags im Aldi um die Ecke die immer gleiche TK-Pizza kauft. Es ist ein verbreiteter Fehler von Datenschützer, das Problem derart zu individualisieren. Die Konsum-Industrie hat aber ein grosses Interesse daran, uns in Schemata, in Schubladen zu stecken. Wer bestimmte Kriterien erfüllt, kommt in die Schublade X, andere in die Schublade Y. Mit verschiedenen Folgen: Die einen werden stärker umworben, oder für besondere Produkte ausgewählt. Die einen bekommen leichter Kredite oder günstigere Versicherungstarife. Oder man muss ständig mit Angabe des PIN-Codes zahlen, während wieder andere mit Unterschrift zahlen. Auf all das hat man keinen Einfluss mehr, die Persönlichkeit und eigene Leistungsfähigkeit wird plötzlich losgekoppelt von einem digitalen Selbst, das fremdbestimmt ist. Mit den Folgen wiederum muss freilich das “wirkliche Selbst” klar kommen.

Diese Erkenntnis ist es, die man als “Datenschützer” stärker ins Auge fassen muss: Datenschutz dient dem Schutz der Persönlichkeit samt dem damit einher gehenden Persönlichkeitsrecht. Das ständige Pochen auf individualisierte Datenerhebungen und der Fingerzeig auf ausgesuchte Buh-Unternehmen, lässt diesen Ansatz zunehmend aus dem Augenwinkel verschwinden. So abwegig es klingt – freilich heute zunehmend weniger Abwegig als noch vor einigen Jahren – wir bestimmen im Einzelnen darüber, wie wir in Zukunft als Gesamtheit wahrgenommen werden. Jede einzelne unreflektierte Kartenzahlung, jeder Einsatz so genannter Rabatt-Karten, ist ein Mosaikstein mehr in der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, in der nicht mehr wir, sondern andere über unsere Persönlichkeit, (wirtschaftliche) Chancen und Möglichkeiten bestimmen.

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