Arbeiten mit dem iPad
11. Juni 2010 eingestellt von Rechtsreferendar Jens Ferner (Diplom-Jurist, hier bei Google+ und XING)
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Gute 2 Wochen sind vergangen, seitdem das Kanzlei-iPad angekommen ist und getestet wurde – es wurde hier berichtet. Nun, wie versprochen, ein Beitrag mit den Erfahrungen der letzten Wochen und wie sich die Eindrücke entwickelt haben.
Das wichtige Thema war (und ist) das Lesen von PDFs, wobei Anmerkungen eine wesentliche Rolle spielen. Nach den letzten 2 Wochen muss ich das Fazit ziehen: Genial. Genutzt wird iAnnotate, dabei hat sich herausgestellt, dass Kommentare problemlos auf anderen Rechnern (Mac = Skim; Win = PDFXChange) angezeigt werden. Man kann also überall Anmerkungen erstellen und auch lesen, hier lag ein Knackpunkt. Gleiches gilt für Bookmarks.
Ich habe einen Stift für das iPad besorgt. Überraschung: Natürlich funktioniert kein normaler Stylus, man braucht einen speziellen Stift. Vorteil: Für Unterstreichungen, schnelle Markierungen und Hervorhebungen absolute Klasse. Allerdings gibt es einen Makel: Die “Stifte” für das iPad benötigen eine weiche Spitze, damit geht wohl zwingend einher, dass die Spitze immer unförmig ist. Feines Arbeiten ist damit zumindest mir nicht möglich. Aber: Für die genannten Funktionen, speziell Unterstreichen und Hervorheben, eine herausragende Hilfe.
iAnnotate bietet einen großen Komfort in der Bedienung, die mich durchweg überzeugt. Bookmarks werden schnell angelegt – und die Übersichten, in denen vorgenommene Anmerkungen auf einen Blick gezeigt werden, sind sehr zugänglich und hilfreich.
Anfangs nervig war das Kopieren von Dateien, was mich ziemlich gefrustet hat, da das iPad (noch) keinen eingebauten Weg bietet, um schnell und einfach Dateien zu kopieren. Zwar geht es über iTunes, sofern passende Anwendungen installiert sind, aber auch das ist schnell lästig.
Professionell ist die sehr günstige Anwendung Goodreader, die ich aber gar nicht mehr nutze und nur für Notfälle installiert habe. iAnnotate kommt mit einer Software für den Rechner namens “Aji Reader” – damit kann man Verzeichnisse freigeben und dann auf dem iPad (das sich im gleichen Netzwerk befinden muss) die Verzeichnisse synchronisieren. Das einzige was fehlt, sit eine Funktion, um automatisch Verzeichnisse abzugleichen, so dass man manuell die Verzeichnisse auswählen muss. Der Aufwand hält sich bei einer gut durchdachten Dateistruktur sehr in Grenzen.
Daneben ist (natürlich) DropBox im Einsatz, damit kann man ausgewählte Dateien auf allen Systemen zur Verfügung stellen.
Ich bin bekanntlich sehr aktiv in sozialen Netzen, auch zur Vermarktung meiner Inhalte. Das Tweetdeck als App hatte mich aber sehr enttäuscht: Zwar sieht es gut aus, aber irgendwie zeigte es ständig veraltete oder chaotische Tweets an. Letztlich bin ich bei Twitterific (kostenlos) gelandet, mit dem man sehr schön den Twitter-Account verwalten kann. Facebook und XING nutze ich über den Browser.
Aufgaben und Notizen verwalte ich zur Zeit mit Evernote. Überzeugend wäre auch Things, das wirklich herausragend ist – aber letztlich zu teuer, da man für jedes System eine Lizenz bräuchte. Evernote, gepaart mit dem internen Kalender ist da durchaus ausreichend.
Natürlich wird der iPad über iTunes mit dem jeweiligen System synchronisiert, also z.B. Kalender-Einträge und Kontakte. Aber vielen wird das nicht reichen, ich jedenfalls möchte auf dem iPad einen Termin eintragen und den umgehend auf dem PalmPre auch sehen. Wer nur Apple nutzt, der kann natürlich “mobileme” nutzen (und dafür zahlen), ansonsten kann man den Google-Dienst nutzen, um die Daten überall abzugleichen. Hier muss man sich entscheiden: Bei Apple zahlen oder bei Google kostenlos nutzen.
Ich habe iWork im Einsatz, was insgesamt sehr überzeugend ist. Nervig sind aber Probleme mit zugestellten Microsoft-Dateien. Mir wurden schon Probleme mit Excel-Sheets berichtet, ich selbst habe via Mail eine überarbeitete Word-Datei erhalten, die mir Pages auf dem Mac problemlos anzeigte – während Pages auf dem iPad nur Murks machte. Es geht hier allerdings nur um Details, grundsätzlich tut alles seinen Dienst. Und, man glaubt es kaum, das Schreiben längerer Texte auf dem iPad ist durchaus möglich und sehr angenehm.
Womit ich zum Zubehör komme: Bisher habe ich mir keines zugelegt. Sobald verfügbar, werde ich das Camera-Kit anschaffen, um Fotos zu transferieren. Hierbei ist es höchst unschön, dass Apple offensichtlich ein Problem damit hat, dass man via Bluetooth Fotos vom Handy übertragen kann, jedenfalls finden sich die Geräte nicht und es wurde mehrfach berichtet, dass das so gewollt ist. Die Tastatur fürs iPad stelle ich mir praktisch vor, weiß aber nicht, wann sie zum Einsatz kommen sollte: Im Zweifelsfall habe ich bisher immer das MacBook in der Nähe. Hier bleibt abzuwarten.
Als weitere Anwendungen finde ich erst mal erwähnenswert: QuickVoice als Diktiergerät, das aber kein echtes Diktiergerät ersetzen kann. Die App “Gesetze”, die durchaus nützlich, aber sehr träge ist. Außerdem die “PrinterShare”-Anwendung zum Drucken. Mit FeddlerRSS ist das Lesen von RSS-Feeds ziemlich Luxuriös.
Soweit bleibe ich beim Fazit: Das iPad ist mit Blick auf Akten in PDF-Form und auch auf iWorks ein gutes Arbeitsgerät, keine Spielerei. Das Rumgezicke von Apple nervt schlechthin und ich denke, Apple steht sich selbst im Weg, wenn man nicht von Anfang an willens ist, einen Dateitransfer vom Rechner und via Bluetooth zu ermöglichen. Das ist kein Weltuntergang, aber bei einem Gerät dieser Preisklasse ein unnötiges Ärgernis. Ebenso wie die Tatsache, dass man mit der fest eingesteckten SIM-Karte nicht wenigstens SMS verschicken kann, geschweige denn Telefonieren kann (wohl aber Sipgate nutzen kann). Hier wirkt schnell das Konzept etwas unausgegoren und wird sicherlich überarbeitet, sofern sich Apple nicht auf lange Sicht lächerlich machen will.
Übrigens: In der Freizeit nutze ich das Teil so gut wie nie. Es ist sehr angenehm, damit die Mails zu bearbeiten und ich muss überrascht feststellen, dass es eine ziemlich coole Stereoanlage ist (Die iPod-Anwendung ist gut, die WDR-App richtig Klasse). Aber es dominiert ganz klar der Arbeitsanteil bei der Nutzung des Gerätes. Ist das iPad Spielerei? Sicherlich für die meisten – aber es muss es nicht sein.
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(Tags: ipad)