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In unserer Kanzlei gibt es nun – seit gestern – ein . Ganz ohne “-Fieber”, auch wenn man sich angesichts der Berichterstattung der letzten Woche nicht einer gewissen Aufregung entbehren konnte. Das wurde als Testgerät mit einem ganz konkreten produktiven Bedürfnis angeschafft. Hier nun einige Zeilen zu den ersten Eindrücken, die sich ausdrücklich an andere Juristen wenden und insofern keiner der vielen “Was kann das ”-Zeilen sein sollen.

Motivation

Natürlich gab (und gibt) es verschiedene Faktoren, warum für unser Büro das iPad in Frage gekommen ist, aber vor allem eines war ausschlaggebend: Hier besteht das Bedürfnis, mit einem möglichst handlichen Gerät die digitalisierten Akten (liegen als PDF vor) nutzen zu können. Selbstverständlich sind hier entsprechende andere Lösungen im Einsatz (Notebooks, Netbooks, Tablet-PC), die gleichsam Vor- und Nachteile haben. Wesentlich war hier alleine das Kriterium, mit einem leichten, handlichen Gerät (K.O.-Kriterium beim Tablet-PC) arbeiten zu können, das zudem ein brauchbares Display in Größe und Darstellung bietet (K.O.-Kriterium beim eBook-Reader).

Übrigens: Es musste kein “iPad” sein, die angekündigten Konkurrenten, speziell das WePad, sind auch von Interesse – das iPad wurde geordert, weil es als erstes auf dem Markt war.

Die daneben bestehenden Möglichkeiten wie Mails lesen und Browsen sind zwar sehr ansehnlich auf dem Gerät auszuführen, aber für uns nicht von Bedeutung, da die Mitarbeiter hier entsprechende Smartphones haben und damit sehr zufrieden sind im digitalen Alltag.

Erster Eindruck: Das Bekannte

Die halbwegs professionellen Berichte anderer Seiten kann ich erst einmal bestätigen: Man sieht (natürlich!) die Fingerabdrücke, was aber beim Benutzen selbst nicht auffällt und mich insofern nicht interessiert. Das Gerät ist äußerst handlich und leicht. Irgendwo (ich glaube bei SPON) hatte ich gelesen, es wäre schwer und klobig, das ist m.E. Unsinn, aber liegt ja auch im Auge des Betrachters. Man muss es aber nicht erst mit einem Tablet-PC vergleichen, um zur Meinung zu kommen, es wäre “klein und leicht”. Ansonsten, wer sich für allgemeine Eindrücke interessiert, kann durchaus einen der vielen Testberichte lesen, die treffen es bisher ganz gut. Auch was Akku-Laufzeit (ca. 10h), Bildschirm bei Sonnenlicht (Problemlos lesbar bisher, aber gestern war keine “knallende Sonne” verfügbar) angeht, sind bisherige Berichte sehr realistisch.

Nervig: Der Anfang

Auspacken, anmachen, loslegen ist nicht. Man muss zuerst einmal mit iTunes verbinden und das Gerät “aktivieren”. Ein überflüssiger Nerv-Faktor, der aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da man itUNes ohnehin braucht um Daten einzuspielen. Wer die UMTS-Variante hat, wird dabei feststellen, dass ohne eingelegte SIM-Karte ein iTunes-Sync nicht möglich ist (war jedenfalls bei mir der Fall). Insofern konnte ich froh sein, vorgesorgt zu haben und eine Karte bereits aktiviert 3 Tage vorher erhalten zu haben. Auch hier: Unnötiger Nerv-Faktor. Alles in allem, bis das Ding erstmals rundum Nutzbar ist, sollte man 40 Minuten einplanen – inklusive 20 Minuten bis man das Fach geöffnet hat, in das die SIM-Karte kommt.

Absolut Nervraubend: Die Restriktionen im Filesharing

Zur Erinnerung, wir haben nur einen einzigen Anspruch: PDFs lesen. Peinlicherweise hat Apple hier nach meinem Eindruck (erst einmal) hoffnungslos versagt. Jedenfalls ist es mir nicht zugänglich, warum ich das iPad nicht einstöpsle und dieses dann (ohne Umwege) als eigenes Laufwerk mit Dateien bespielen kann. Zwar wusste ich um dieses Problem und war darauf schon eingestellt, dennoch ist der Frust, wenn man es dann live erlebt, unbeschreiblich.

Allerdings gibt es Abhilfe: Zum einen soll es in naher Zukunft ein Update geben, mit dem ein “File Sharing” möglich sein wird. Bis dahin sind Nutzer aber nicht aufgeschmissen: Neben diversen Hacks (die ich hier weder beschreibe noch verlinke) gibt es zwei “saubere” Lösungen mit Apps:

  1. Der “GoodReader” für läppische 79 Cent eröffnet die Möglichkeit, das iPad als Netzwerk-Laufwerk anzusprechen und mit eigenen Dateien zu füllen.
  2. Noch schöner fand ich aber iAnnotation, eine PDF-Lösung mit der man PDFs nicht nur ansehen, sondern auch bearbeiten kann und die eine Software zur Verfügung stellt, die einen direkten Austausch von Dateien ermöglicht. Man erstellt einfach auf dem betroffenen Rechner “geteilte Verzeichnisse” und kann diese vom iPad dann direkt aufrufen und gewünschte Dateien in das iPad laden.

Beide Lösungen arbeiten im WLAN, das heißt: Man benötigt keine Kabelverbindung zwischen iPad und Rechner, sondern iPad und Rechner müssen nur im gleichen Netzwerk angemeldet sein. Ich habe beide Produkte nun im Einsatz und arbeite damit an drei Testakten sehr zufriedenstellend.

Störend: Die Restriktionen in der Hardware

Jedenfalls die Juristen, die sich auch mit den bodenständigen Fragen des juristischen Alltags auseinandersetzen müssen (Verkehrsrechtsfälle, Mietrechtsfälle) haben hin und wieder das Bedürfnis, Dinge vor Ort zu Fotografieren. Mangels eingebauter Kamera ist es schon mal nicht möglich, mit dem iPad Fotos zu machen und dann auf dem Gerät Notizen zu zuordnen. Dabei gibt es durchaus gute Notiz-Software (wie Evernote) für das iPad, die verschiedenste Medien sehr komfortabel verwalten können.

Aber auch, wer dann eine Kamera dabei hat, wird feststellen, dass (mangels USB-Anschluss und SD-Kartenslot) ein Transfer unmittelbar vor Ort eher schwierig ist.

Das ist insofern (hoffentlich) zur Genüge im Vorfeld berichtet worden, so dass ein Käufer wohl weiß, worauf er sich einlässt. Mit Blick auf das produktive Arbeiten bleibt nur die Erkenntnis, dass Apple hier als Pionier auf dem Markt schlicht Potential verpennt und viel Platz für Konkurrenten bietet.

Angenehm: Das Arbeiten mit den Dateien

Nachdem – über kostenpflichtige Umwege, hier iAnnotate – die Akten auf dem Gerät gelandet sind, sind weitere Frustfaktoren nicht zu Erkennen. Sehr angenehm ist das Lesen, das in Punkto Darstellung den Vergleich mit einem eBook-Reader nicht scheuen muss. Notwendige Anmerkungen sind mittels iAnnotate sehr leicht umzusetzen, alles in allem ist es in diesem Bereich durchaus eine Bereicherung. Das Gerät hat man dabei gut in der Hand und zumindest ich war überrascht, wie leicht und flüssig sich die Onscreen-Tastatur nutzen lässt. Gerade, da ich jemand bin, der normalerweise mit diesen Touchscreen-Tastaturen gar nicht klar kommt (deswegen habe ich z.B. auch kein iPhone sondern ein PalmPre). Ich denke, hier werden viele überrascht sein ob des Bedienkomforts.

Spielzeug oder Produktiv?

Zunehmend wird diskutiert, ob das Gerät nun nur “Spielzeug” sei, “überteuert”, oder “notwendiges Muss fürs Büro” – habe ich jedenfalls alles schon so oder ähnlich in verschiedensten Ausprägungen gelesen. Ich finde diese Frage unsinnig, da jeder für sich entscheiden muss, als was er bestimmte Dinge nutzt. Unfraglich wird das iPad nicht nur zum Ausdruck eines Lifestyle sondern – wie die meisten Apple-Produkte – zum Statussymbol. Ob “man ” das braucht weiß ich nicht und es steht auch niemandem zu, hier andere zu verurteilen.

Fakt ist, dass für mich (!) das Bearbeiten langer PDFs mit dem iPad in der Tat so Angenehm ist wie erhofft. Die möglichen Alternativen sind für mich allesamt keine, wobei ich klar stellen muss, dass eine “lange PDF” bei mir keine 20 Seiten hat, sondern teilweise Akten mit weit über 5000 Seiten hier digitalisiert sind (bisher habe ich als Maximum eine 700 Seitige Akte auf dem iPad durchgenommen). Auch mit PDF-Bookmarks ist sowas nur leserlich, wenn man eine ergonomische Hardware hat. Das Gewicht eines Tablet-PCs oder das ständige starren auf einen – noch so guten – Monitor sind da schnell lästig. Hier ist schlicht Ehrlichkeit gefragt: Wer meint, ein Riesen-Monitor ist das optimale Werkzeug, der wird mit dem iPad nichts anfangen können.

Was fehlt – und hier bin ich von dem fehlenden Einsatz der Industrie überrascht – ist eine Software, mit der man Plattformübegreifend arbeiten kann. Ich arbeite zur Zeit sehr zufrieden mit DevonThink (wie andere Juristen auch). Das aber gibts nicht für Windows und auch keine Anwendung fürs iPad. Selbiges gilt dann für Normfall, das es nur für Windows gibt. Letztlich glaube ich, wird sich die sehr gute Idee des “Pads” bei Juristen erst durchsetzen, wenn man an jeder Plattform ein vernünftiges Softwareprodukt hat um Akten (und nicht nur Notizen!) zu verwalten. Zugleich steht für ich fest: Ein iPad ist eine Ergänzung des Büroalltags, ersetzen kann es bestehende Geräte nicht.

Allgemeingültige Diskussionen, ob nun das IPad zumindest ein Netbook ersetzen kann, halte ich gleichsam für verfehlt: Auch hier kommt es auf den individuellen Charakter an. Ich sehe weder einen zwingenden Grund, warum ein iPad ein Netbook nicht ersetzen kann, noch sehe ich den Grund, warum es auf jeden Fall besser sein soll. Sehr wohl kann ich mir aber vorstellen, dass es einige gibt, die eine Tastatur brauchen und deswegen zum iPad keinen Zugang finden. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass die Bildschirm-Tastatur einen Teil des Bildschirms verbraucht – also Arbeitsfläche kostet. Inwiefern die Möglichkeit der zusätzlichen Tastatur (gibt es ja bereits) hier eine Abhilfe ist, kann ich nicht bewerten, da mir so etwas nicht vorliegt – mit Blick auf die Bearbeitung von PDFs war es nicht nötig zum testen.

Bedenken: Sicherheit

Mit dem iPad muss, wie mit USB-Sticks, natürlich ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein einher gehen. Mir graust vor der Vorstellung, dass blauäugig ungesicherte Ermittlungsakten auf einem iPad landen, dass einem dann gestohlen wird. Ich habe bisher keine Optionen gefunden, um das Dateisystem des iPad zu verschlüsseln, insofern sollte man zumindest bei kopierten Dateien evt. vorhandene Sicherheitsoptionen (wie die Passwort-Funktion in PDFs) nutzen.

Weiterhin probematisch ist, dass man zur Zeit nur das vorinstallierte Mail-Programm nutzen kann. Das ist zwar ein gutes Stück Software – verhindert aber die Bearbeitung von GPG/PGP-Codierten Mails wenn man unterwegs ist. Hier wäre im Bereich EMail ein Vorteil gegenüber Smartphones, der aber nicht ausgeschöpft wird. Gerade Rechtsanwälte aber, die auf vertrauliche Kommunikation setzen müssen, werden hier Ansprüche stellen. Auch dies ist ein Punkt, der mir fehlt, an dem man durchaus Smartphones ausstechen könnte.

Nettes Gimmick: Blogs verwalten

Sehr praktisch fand ich, nebenbei bemerkt, eine Anwendung, mit der ich unsere auf WordPress basierende Kanzleiseite via iPad verwalten kann. Hier könnte sich ein interessantes zusätzliches Tätigkeitsfeld für das iPad ergeben. Auf den ersten Blick wirkte es durchaus überzeugend, auf diese Art wirklich schnell Inhalte auf der Webseite zu pflegen.

iPad-Apps

Im Store selber gibt es nur wenige native iPad-Apps. Die iPhone-Apps sind dagegen zwar zahlreich und laufen auch auf dem iPad – sehen aber nicht ansprechend aus. Hier gilt einfach nur das Prinzip “abwarten”.

Erstes Fazit

Ich habe das iPad noch keine 24h im Einsatz, insofern ist es wirklich nur ein allererster grober Eindruck, den man nicht überschätzen darf. Das Gerät an sich ist toll und zeigt, was uns in den nächsten Jahren erwartet. Ich sehe es keinesfalls in der Kanzlei als “muss” an, wohl aber als sehr sinnvolle Ergänzung wenn man den Bedarf hat, handlich mit digitalen Akten (in PDF-Form) zu arbeiten. Die anderen Funktionen wie Mail, Browser, Musik hören sind überraschend angenehm zu nutzen (auch wenn im installierten iTunes das Coverflow fehlt, das jeder kleine iPod-Nano hat), interessieren mich aber kaum.

Schade ist es, dass Apple nicht direkt das volle Potential ausschöpft und den unmittelbaren Datentransfer via USB ermöglicht oder das Erfassen von Fotos. Mit Blick auf manche Sache wäre das durchaus sinnvoll, ist aber sicherlich zu verkraften. Problematischer ist vielmehr, dass man deswegen wohl auch keinen direkten Datenaustausch von Schriftsätzen via USB-Stick vornehmen kann. Auch hier fehlt dann ausgeschöpftes Potential. Genauso wie der bei eingesteckten SIM-Karte, die man bisher nur zum Datenaustausch nutzen kann. Hier bleibt zu Hoffen, dass bald Anwendungen erscheinen, die Telefon-/Fax-Funktionen ermöglichen und dass Apple über den eigenen Schatten springt und diese auch im App-Store zulässt. Eine Konkurrenz für das iPhone kann das iPad jedenfalls nicht werden, insofern sind hier evt. vorhandene Ängste bei Apple unbegründet.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob das iPad hier Freunde über die Verwendung von PDFs hinaus findet. Dabei fallen mir zwei Dinge ein:

  1. Ich hatte vormals den Hinweis gelesen, dass das iPad “familientauglich” sein, weil man mit dem Teil in der Hand eine geringere “soziale Barriere” hat, als wenn man sich hinter dem Laptop “vergräbt”. Hier ist auf jeden Fall etwas dran.
  2. Ein anderer meinte, bei sowas sollte man immer frühestens in der zweiten Generation zuschlagen. Auch hier von mir Zustimmung, als Vergleich kann man sich die Netbooks der ersten und der zweiten Generation ansehen. Speziell nachdem erste Konkurrenz auf dem Markt ist, kann man sich Hoffnung machen, dass Apple das – mitunter zahlreich und überflüssigerweise – nicht ausgenutzte Potential der Idee “iPad”aufholt. Mit Blick auf die Versprechungen eines “WePad” etwa, gibt es da durchaus sehr viel zu tun, wobei ein unmittelbarer Dateitransfer über eine USB-Schnittstelle für das produktive Arbeiten reichen würde.

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