Strafrecht | Auto & Verkehr | Arbeitsrecht | Familienrecht | Gewerblicher Rechtsschutz | IT-Recht | (IT-)Vertragsrecht

Kommentar: Schützt uns vor Journalisten.

Vor kurzem war die Erfassung von WLAN durch ein Thema. Ich hatte dabei die Meinung, dass die Erfassung an sich nicht der Aufreger schlechthin ist, aber die Heimlichkeit durch Google, mit der es durchgeführt wurde. Nun lese ich den Kommentar eines Journalisten zum Thema in der Badischen Zeitung mit dem Titel “Schützt uns vor den Datenschützern” und ich bin geneigt, meine Meinung zu ändern.

Der Autor des Kommentars begeht schon fast zeilenweise Fehler, die im Ergebnis sicherlich Zustimmung in der breiten Masse der Leser finden, mit juristischer und technischer Realität aber gar nichts gemein haben. Dabei zeigt der Autor seine Ahnungslosigkeit in Unverhohlener Form – und scheint auf das Nichtwissen auch noch stolz zu sein. Das fängt damit an, dass er darauf verweist, die “SSID zu verbergen” und damit befinden möchte:

So schnell findet also keiner meine SSID (Service Set Identifier), also den Namen meines Netzwerkes.

Dass der Autor damit ein gutes Argument gegen die Erfassung bietet, ist ihm wohl nicht bekannt. Zum einen ist es auch bei verborgener SSID kein ernsthaftes Problem, das Netz zu finden. Ob Google dies macht, weiß ich nicht, denn – und das ist ja der Kritikpunkt – Google gibt weder bekannt was erfasst wird, noch wie. Die Frage, ob Google die von ihm selbst gewählte (vermeintliche) Privatsphäre respektiert, ist durch seinen Einwurf nicht nur nicht beantwortet, sie stellt sich jetzt erst recht. Dazu kommt, dass – wenn die Datenbestände von Google einmal ihren Weg ins Netz, etwa zu Wikileaks finden und er hier erfasst ist, seine “versteckte” SSID auch nichts mehr nützt: Jeder wird sehen dass an dieser Stelle ein “verstecktes” Netz existiert und wie es heißt.

Auch die nächste Aussage fasziniert: Da wird darauf verwiesen:

Die Easy-Box, die ich von meinem Provider bekommen habe, lässt gar nichts anderes zu als die Verschlüsselung nach dem WPA2-Standard.

Der Autor scheint auch auf diesen Umstand stolz zu sein, warum ist mir aber ein Rätsel: Zum einen ist der WPA2-Standard (anders als vom Autor behauptet) längst geknackt. Es ist somit nur eine Frage der Zeit, bis WPA2 den Sicherheitsstand von WPA1 erreicht. Nun wird es dann längst WPA3 o.ä. geben, doch unser Kommentar-Autor hat dann ein Problem: Seine Box kann ja, laut seiner eigenen Aussage, nur WPA2. Der ohnehin nicht so sichere Standard (wenn auch aktueller Stand der Dinge!) ist also nicht nur nicht so sicher, sondern wird in absehbarer Zeit für Ihn zum Problem. Dazu kommt die Frage, wie der BGH über einzurichtende Sicherheitsstandards entscheidet – sollte der BGH tatsächlich verlangen, immer das aktuellste als Verbraucher zu nutzen, dürfte eine Box – begrenzt auf WPA2 – ebenfalls zum Problem werden.
All das weiß der Autor des Kommentars natürlich nicht. Aber er weiß ganz genau, dass alles bestens und die Sache mit Google gar kein Problem ist.

Und das ist der Punkt, warum mich Sätze wie diese, am Anfang des Kommentars stören:

Und nur, weil in den Autos, die Fotos für Googles Street-View-Dienst machen, nun auch registriert wird, wo es drahtlose Netzwerke gibt, bibbere ich auch nicht vor ominösen bösen Mächten.

Als ob Kritik an der Heimlichtuerei etwas mit “bibbern” zu tun hat oder jemand so etwas darstellen würde. Wieder einmal, wo Argumente fehlen, wird auf Polemik und Herabsetzung der Kritiker gesetzt. Und um es abzurunden schreibt dann ausgerechnet der dortige Autor, der nach diesem Satz technischen und juristischen Weitblick vermissen lässt, dann auch noch, dass Datenschützer “populistische Forderungen” sein lassen sollen. Eine reflektierende, sachgerechte und überzeugende Auseinandersetzung sieht bei Weitem anders aus.

Genau hier liegt dann die wahre Gefahr von Google, ein Punkt den der Kommentator (unfreiwillig) offen legt: Die reflektionslose alltägliche Erfassung durch Google ist für unsere Gesellschaft längst selbstverständlich. Dabei glaubt jeder gleich, nur weil er davon betroffen ist, die Maßnahme auch technisch und juristisch bewerten zu können. Und weil man es kaum wahrnimmt, weil es nicht “weh tut”, kann es ja auch kein Problem sein.
Das Ergebnis sind Kommentare wie dieser, die dann leider auch noch in der Presse zu finden sind und weitere Menschen dazu veranlassen, gleichsam unreflektiert die Gegebenheiten hinzunehmen. Der ist geprägt von der Selbstbestimmung. Die aber setzt die Informiertheit der Betroffenen voraus. Einfach nur seinen Senf dazu beisteuern kann hier nicht reichen. Und gerade die Presse muss sich Ihrer Verantwortung bewusst sein und anstelle von Polemik auch mal Sachlichkeit bieten. Dazu gehört dann auch mal Recherche-Arbeit, z.B. indem man kurz nach den Stichworten “WPA2 geknackt” sucht. Übrigens gerne auch bei Google.

Unsere Facebook-Seite hat bereits 828 Fans - folgen auch Sie uns und bleiben Sie auf dem Laufenden!

An dieser Stelle würden wir Ihnen gerne weitere Inhalte zeigen - dazu ist aber Ihre Einwilligung nötig, da u.a. Ihre IP-Adresse an externe Dienste wie Facebook und Twitter übermittelt wird. Wenn Sie das wünschen, klicken Sie bitte hier - Unsere Datenschutzerklärung

(Tags: , , )

Ähnliche Artikel