Kanzleiplus im Test (Update)
2. November 2009 eingestellt von Rechtsreferendar Jens Ferner (Diplom-Jurist, hier bei Google+ und XING)
Kurz-Links: http://www.ferner-alsdorf.de/?p=895
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Ich habe mir eine kostenlose Testversion von “KanzleiPlus” kopiert und einen Blick hinein geworfen. Fakt ist: Die Suche nach einer (für eine kleinere Kanzlei geeigneten) Kanzleisoftware existiert hier schon länger. Ich habe bis heute einige Produkte getestet – und auch wenn Kanzleiplus ein schönes Produkt ist: Es überzeugt ebenfalls nicht.
Update: Schon seit längerem ist die Version 3.3 angekündigt, leider aber bisher noch nicht erschienen. Es wird sodann eine Folge-Besprechung geben.
Zuerst Mal: Es ist das erste Produkt, dass mir ein paar Zeilen wert ist – und das heisst schonmal was. Die mir bisher bekannten Produkte waren entweder optisch gar nicht ansprechend bzw. im Bereich Usability unbrauchbar (wenn man auch nicht-technik-versierte angestellte einarbeiten muss ein wesentlicher Punkt, gerade beim täglichen Arbeiten) oder schlicht und ergreifend überdimensioniert (bestes Beispiel ist das aufgeblasene Annotext) – oder einfach beides zugleich. Hinzu kommt der Dritte Aspekt, dass nämlich manch einer glaubt, eine schlechte Software sei Gold wert, nur weil Anwälte angeblich viel Geld für sowas ausgeben – weit gefehlt, jedenfalls bei mir.
KanzleiPlus überrascht direkt nach dem Starten mit einer intuitiven und schnell zu verstehenden Oberfläche: Man findet sich sofort zurecht, das Anlegen von Akten geht schnell, das Einbinden externer Dokumente ist angenehm durchdacht. In der Bedienung findet hier jeder einen guten Einstieg und jedenfalls für kleine Kanzleien ist es ein Produkt mit idealem Umfang.
Aber: In der täglichen Arbeit sehe ich Probleme. Beispiel Wiedervorlagen – man kann Akten anlegen und zu jeder Akte z.B. Wiedervorlagen hinzufügen. Wenn man das Problem startet gibt es aber keine “Startseite” o.ä. auf der direkt alle anstehenden Wiedervorlagen aufgezeigt werden. Zwar gibt es einen Kalender, der ist aber relativ klein, bei normalen Aktenbezeichnungen ist das unbrauchbar. Zwar sieht man die Wiedervorlagen in einem sehr angenehmen Startbildschirm in jeder Akte – wer aber mehr als 5 Akten hat, der kann sich den Luxus schlecht leisten, durch alle Akten durch zu klicken.
Nebenbei sollen Angestellte nicht “rumklicken”, sondern relevante Informationen direkt finden. Und eine Software soll den Schreibtisch ja gerade entlasten und nicht dazu führen, dass man jetzt mehr Zeit am Rechner verbringt.
Die Verwaltung in den Akten ist sehr angenehm: Termine, Kontaktdaten, Historie, Dokumente – alles kann vorbildlich verwaltet werden. Die fehlende ToDo-Liste ist dann aber doch störend.
Gut ist auch die Exportfunktion, mit der man Aktenübersichten und Termine exportieren kann (in Word-Dateien und Excel-Dateien), was in der letztlich doch papiergebundenen Organisation äußerst hilfreich ist, hier wird eine wichtige Brücke geschlagen.
Das Fazit bis hierhin: Sehr schöne Software, mit viel Potential – aber man wird dann doch im Alltag schnell genervt sein. Ein späterer Blick, ob man obige Punkte in einer nachfolgenden Version aufgenommen hat, dürfte aber lohnend sein. Spätestens wenn es einen “Startbildschirm” für den jeweils aktuellen Tag (und die aktuelle Woche) gibt, dürfte es eine sehr interessante Lösung sein, speziell bei dem angenehmen Preis von 149 Euro.
Das KO-Kriterium kommt aber: Die Software setzt Windows voraus, laut Beschreibung sogar MS-Office. Ich kann heute nur noch dazu raten, sich mit seiner Kanzleiorganisation nicht mehr von Betriebssystem oder gar externen Produkten abhängig zu machen – nicht nur wegen des Preises für Mircrosoft-Lizenzen: Linux und MacOS sind ebenbürtige Lösungen, die zunehmend zum Einsatz kommen. Gerade der Mac erfreut sich (aus gutem Grund) unter Anwälten immer höherer Beliebtheit und mit Java gibt es zumindest einen Weg, Plattformübergreifende Lösungen zu erstellen.
Die Softwarehersteller beweisen hier bisher jegliche Form von fehlender Weitsicht und als Anwalt, gerade als kleine Kanzlei die verstärkt rechnen muss, ist man gut beraten, sich nicht zu binden:
- Weder an ein bestimmtes Betriebssystem,
- noch an einen Softwarehersteller, der heutzutage nur noch eines unterstützt
Da jedenfalls bei mir im nächsten jahr der Umstieg auf einen Mac angedacht ist, kommt daher weiterhin kein typisches Software-Produkt in Frage. Selbst das von mir favorisierte Normfall wird dann wahrscheinlich zugunsten Openoffice-Base wegfallen. Das ist zwar schade, aber letztlich das Problem der Software-Häuser, die den absehbaren Trend schlichtweg verpennt haben.
Linktipp: Eine umfassende Übesicht über Software-Produkte für RAe gibt es hier.
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