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NAS ist nicht gleich NAS

Ich wollte vor kurzem die Möglichkeit nutzen, unsere Kanzlei in Alsdorf technisch umzustellen – bisher arbeitet ein Linux-Server als Datei-Server. Sinnvoll war das noch aus einer Zeit, in der ich damit sehr kostengünstig viele Aufgaben zusammenfassen konnte (DHCP-Server, Medienserver, Dokumentenserver und VPN). Andererseits stand mehrmals monatlich eine Wartung an, wenigstens um den Server mit den aktuellen Updates zu versehen.

Heute ist sowas nicht mehr nötig: Moderne Router bieten vollständiges DHCP sowie VPN und es gibt (Network Attached Storage) – im einfachsten Fall Festplatten die einen Netzwerk-Anschluss besitzen. Leider muss man auch hier beim Kauf aufpassen, denn NAS ist eben nicht gleich NAS.

Hinweis: Ich schreibe hin und wieder Artikel zum Büro-Management für Anwälte, die früheren Artikel sind im Archiv hier einsehbar.

Es gibt mehrere gute Gründe, den Rechner abzuschalten und auf ein NAS umzusteigen – so wie es gute Gründe gibt es nicht zu tun. Der Rechner selbst ist inzwischen recht betagt, insoern bietet sich ein NAS (das zudem weniger Strom verbraucht, einfacher zu warten ist und schlicht und ergreifend leiser ist) an. In dem Gebiet (Endkunden-NAS) bin ich kein Neuling, ich habe schon ein gutes Dutzend Büros mit verschiedenen Produkten ausgestattet bzw. dazu geraten und war bei der Einrichtung dabei.

Als ich diesmal ein schickes Produkt bestellte, wurd eich aber nicht darauf hingewiesen, dass dieses nur mit einer Software namens “MioNET” arbeitet: Nach der Installation wird man aufgefordert, ein “Konto” einzurichten, das auf einem zentralen Server (wo eigentlich?) gespeichert wird. Nebenbei erfährt man, dass man die mitgelieferte Software als “Basic” nutzt und man für gutes Geld die “Premium” Version erstehen kann. Kommt nicht gut, direkt nachdem man ca. 150 Euro ausgegeben hat.

Leider aber arbeitet die Festplatte scheinbar nur mit dieser Software, die nicht nur nach dem Boot-Vorgang sehr langsam startet, sondern auch kompliziert in der Handhabung ist. Und weiterhin ständig darauf hinweist, wie viel besser die Premium-Version ist, die man kaufen soll.

Wer mehrere Angestellte hat (die von IT nichts verstehen oder damit nichts zu tun haben wollen), der hat schon jetzt endgültig keine Lust mehr. Ein einfaches Netzlaufwerk, das man mit normalen “Bordmitteln” einbinden kann – Betriebssystemunabhängig, ist nunmal ein NAS. Alles andere ist Spielerei die nichts bringt.

Glücklicherweise konnte ich das “NAS” zurückgeben und erhalte nun eine vernünftige Variante. Dieser Artikel sei allen eine Mahnung, bei jedem Produkt bzw. einer Produktreihe, immer nachzufragen, ob man nicht doch eine Software braucht und welchen Beschränkungen die unterliegt. Es gibt Fälle, in denen man weder damit rechnet, noch damit rechnen muss, noch darauf hingewiesen wird – so wie diesen. Und selbst wenn man problemlos alles umtauschen kann: Wenn man, wie jetzt, Warte- und Lieferzeiten berücksichtigen muss, die sich dann auch noch auf den Büroalltag auswirken, ist es dennoch sehr lästig.

Am Rande möchte ich aber trotzdem, gerade kleineren Kanzleien, empfehlen den Begriff NAS im Kopf zu behalten und sich zu informieren. Meistens sind komplizierte DMS (Document Management Systeme) oder teure Server unnötig: Es reicht ein ausrangierter Rechner mit Linux und guter Netzwerkkarte, oder heutzutage ein NAS, das preislich (mit 500 GB) meistens zwischen 150 und 200 Euro liegt und als Dokumenten (und Medienserver) ausreicht. Dazu kommt, dass solche Systeme meistens eine ausgereifte interne Software mitbringen (die im Regelfall auf Linux basiert) und gute automatisierte Backup-Lösungen anbieten.
Mittels eigener statischer IP und VPN kann man sogar sehr gute Lösungen erarbeiten, um auch ausserhalb des Büros auf Daten zuzugreifen – aufgrund der mitunter erheblichen Sicherheitsprobleme ist aber spätestens hier ein geeigneter Berater hinzu zu ziehen, damit die praktische Lösung nicht zum Horror-Szenario wird.

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